Und dann trat ein Hund in unser Leben…

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Bennie im Alter von ca. 5 Monaten

 

Also an und für sich bin ich ein Katzenmensch, so dachte ich zumindest. Nach dem Tod meines Hauskaters „Quidam“ fühlte sich sein Bruder, der Erstgeborene „Leon“, alleine. Wir erfüllten uns den Wunsch nach unserer Katzenrasse und so zogen zwei Maine Coons bei uns ein: Usher, ein stattlicher Kater und Gini (Virginia), ein entzückendes Mädchen. Und weil man ja auch ganz spezielle Herzenswünsche hat, komplettierte Nils(i), ein weißer Traum von Maine Coon Kater, unser Quartett. Mittlerweile musste Leon am 8.1.2017 von uns gehen, sodass wir nur mehr die MC-Schwemme bei uns daheim haben.

Aber wie kamen wir eigentlich auf den Hund? Als wir noch in Wien lebten in einer alten Mietwohnung kam natürlich ein Hund nicht in Frage. Da sagten wir immer „sollen wir jemals in einem Haus im Grünen wohnen, dann kommt in der Pension ein Hund in unser Leben“. Träume, Gedankenspiele, nicht realistisch. So dachten wir.

Doch durch viel Glück konnten wir im Frühjahr 2013 ins Burgenland in einen entzückenden Bungalow übersiedeln. Unsere Katzen bekamen ein tolles Außengehege und sind Herrscher über eben dieses und das ganze Haus. Kein Hund, geht nicht, wir sind berufstätig, sind Pendler, arbeiten beide in Wien und mein Mann hat immer abenteuerliche Dienste. Und so ohne Backup im Sinne einer Hundesitterin geht das ja auch gar nicht.

Als wir dann jedoch im September 2014 auf Urlaub in Bad Hofgastein waren, kam das Thema Hund doch wieder zur Sprache. Geht nicht, die Voraussetzungen haben sich nicht geändert. Wir leben zwar im Grünen, sind aber beide berufstätig und haben kein Backup. Dennoch ließ uns 1 Abend und einen ganzen Tag das Thema nicht mehr los.

Tja, und letztendlich habe ich Folgendes realistisch entschieden: nach meinem Brustkrebs, ED 2008, war mir völlig klar, dass die Zeit des Stillstands nicht ewig dauern muss, sondern dass sich die Grunderkrankung irgendwann einmal in Form von einem zweiten Primärtumor oder einem Rezidiv oder sogar Metastasen zeigen kann. Und mir war klar, dass meine Lebenserwartung auch sonst deutlich verringerter ist, sodass es für mich immer fraglich war, ob ich meine Pension überhaupt erlebe. Und so fiel für mich persönlich die Entscheidung, dass ein Hund JETZT in unser Leben passt.

Also redeten wir eine ganze Nacht lang und entschieden uns, uns mal umzusehen. Am nächsten Tag rauchten der Laptop und beide Handies. Letztendlich wussten wir ja gar nicht mal, welche Rasse es sein sollte, wir wussten nur, dass der Hund mittelgroß sein muss, nicht größer, dass er familien-, kinder-, katzenfreundlich sein sollte, ein gutmütiges Gemüt haben sollte, intelligent, kein Jagdhund, kein direkt gezüchteter Wachhund und ob er ein Hütehund ist war uns damals ziemlich egal.

Letztendlich stieß ich auf eine Liste aller international anerkannten Hunderassen, machte es mir bequem und fing bei A an. Als ich sei S wie Sennehunde war, war ich schon ziemlich entmutig, hungrig und hatte Kopfweh. Eigentlich wollte ich diese Rubrik überspringen, tat dies aber dann doch nicht.

Und so erfuhr ich, dass es 4 Arten von Sennenhunden gibt: 1) der Große Berner, 2) der Berner, 3) der Appenzeller Sennenhund und 4) der Entlebucher Sennenhund. Auch von der Größe gehts von 1-4, der Entlebucher ist also der Kleinste der Sennenhunde. Die Bilder, die ich da sah, zauberten mir ein Lächeln aufs Gesicht, also ran an die Details. Oh, das klingt alles zu schön um wahr zu sein! Das könnte unsere Rasse sein! Ich suchte mich noch bis zum Z weiter, aber konnte die Auswahl nicht mehr toppen.

Gemeinsame Besprechung und Einigung auf diese Rasse. Nächster Schritt, wo finden wir Entlebucher. Dass diese Rasse sehr selten ist, wussten wir bereits. Also nach österr. Züchtern gesucht, alle durchtelefoniert und nur Absagen bekommen: wir züchten erst wieder in 2 Jahren; sie müssen mit bis zu 5 J. Wartezeit rechnen; nein, wir züchten nicht mehr; ja, wir haben einen Wurf, aber alle sind schon vergeben, etc…. Einfach deprimierend!

Dann nahm ich mir die deutsche Züchterliste und begann diese parallel mit Google Maps durchzusehen. Ganz im Süden von Deutland, als ich schon ziemlich ermutigt war, hatte ich auf einmal eine Dame am Apparat, die mir nicht nur sagte, dass sie gerade einen aktuellen Wurf hätte, sondern auch noch einen Buben und ein Mädchen frei. Und ja, wir können morgen, bevor wir wieder heimfahren, gerne den 4,5 Stunden Umweg nach Bayern machen und kurzfristig vorbeikommen. Juchuuu! Daumen halten!

Trotz versagender Navis und leerer Akkus fanden wir die Züchterin im tiefsten Bayern auf einem Bauernhof mit Pferden, Henderln, Katzen, Kühen, etc. In der großen Stube wuselten die Welpen herum, flankiert von den Tanten der Welpen, die uns – rassegemäß  wie beschrieben – misstrauisch musterten, bis sie nach 45 Min. beschlossen, wir seien harmlos und uns nur mehr ignorierten. So sahen wir in den Hündinnen unsere ersten ausgewachsenen Entlebucher. Unser Bauchgefühl tendierte zum Rüden, zumal ich auch gegen Hündinnen Vorbehalte verschiedenster Natur hatte. Tja, ohne Backup, ohne Hundesitter, ohne Allem entschieden wir uns vor Ort für den Rüden, Anzahlung wurde geleistet. In 5 Wochen können wir ihn holen, sollten aber bitte schon gegen 8.00-8.30 Uhr in der Früh bei der Züchterin sein, denn mit dem Rückweg (1 Strecke = fast 5 Stunden) kämen wir so rechtzeitig daheim an und der Kleine könne sich noch ein wenig bei Helligkeit orientieren.

Auf dem Rückweg wurde alles geplant: können wir unsere pensionierte Nachbarin gewinnen, ab und zu auf Bennie zu gucken -ja, wir konnten sie gewinnen, eindeutig, sie war ganz verliebt in die Welpenfotos, die ich ihr zeigte. Sie hatte früher Hunde, vermisst auch Hunde, möchte sich in ihrem Alter aber keine eigenen mehr zulegen und war sehr gerne bereit, Leihmama zu sein, bis heute 🙂

Wie kommen wir zu Backup-Hundesittern? http://www.betreut.at und 2x Euro 30,- lieferten mir eine Hundesitterin, die ich aber dann bis heute nicht mehr benötigte.

Und wie das Leben so spielt: als Bennie knapp 6 Monate alt war, ging am rückwärtigen Eingang unseres Grundstücks eine Dame mit einem noch nicht ausgewachsenen Magyar Vizsla vorbei. Die beiden Buben liebten sich auf den ersten Blick, dazu aber später mehr. Noch bin ich in dem Teil, wo Bennie noch bei der Züchterin ist.

Wie wir also alles organisiert hatten, das erste Spielzeug gekauft hatten, etc. war der wichtigste Teil das Auftreiben einer Trainerin. Ich wollte unbedingt ein ausführliches Beratungsgespräch mit einer erfahrenen Trainerin noch BEVOR die dicke Hundepfote den ersten Schritt über meine Hausschwelle macht. Vorbereitet sein noch vor der Hundeschule, die wichtigsten Ratschläge für uns als Mensch. Es klappte, eine Trainerin opferte über 3 Stunden für uns und dies war mit das Wichtigste. So waren wir bestens vorbereitet.

Was soll ich sagen, am 15.11.2014 reisten wir um 4.00 Uhr Früh Richtung Bayern und kehrten am Nachmittag mit „Jonny-Ben vom Zellertal“, gerufen „Bennie“, ins Burgenland zurück. Die Fahrt war problemlos. Bennie jaulte vielleicht wenige Minuten, dann rollte er sich ein im Fußraum des Beifahrersitzes und verschlief eigentlich die Fahrt. Daheim tapste er ins Haus, als würde er hier schon ewig wohnen. Sowohl im Garten als auch im Haus eroberte er sein Revier Tag für Tag mehr. Seine Transportbox neben dem Bett meines Mannes – in der Nacht verschlossen zwecks Melden, wenn er Pfützi muss – akzeptierte er von Anfang an und die Stubenreinheit gelang in angemessener Zeit (mit ein paar Verzweiflungsausrufen unsererseits, aber letztendlich klappte es). Er meldete bis heute erst 1x bei uns im Haus und das war vorige Woche um 00.00 Uhr, da war’s offenbar schon sehr dringend 🙂 Normalerweise sitzt er vor der Tür und guckt nur und wir wissen schon, was los ist.

Die passende Hundeschule wurde uns von der Leiterin der Rettungshunde der Johanniter Unfallhilfe Wien, wo ich ehrenamtlich seit 2002 tätig bin, genannt und es klappte alles hervorragend. Bei Schneestürmen und tiefsten Temperaturen begannen wir nach der Tollwutimpfund den Welpenkurs. 10 Kurs-Samstage, davon 8x ein Harnwegsinfekt für mich trotz wärmster Kleidung. Soll nix Schlimmeres passieren.

Den 1. Platz in der Welpenschule bei Abschlussprüfung gemacht und uns gefreut! Dann die Jundhundeschule. Leider gingen nicht alle aus  dem Welpenkurs auch in den Junghundekurs, aber Bennies Freund „Marco“ blieb ihm erhalten, ein Rottweiler.

Ja, und so war auf einmal ein Hund in unserem Leben. Ich hatte mir ab seinem Einzug 14 Tage frei genommen und einen genauen Plan, was er in dieser Zeit alles lernen sollte und das zog ich durch. Ich habe im Haus Türen hinter mir geschlossen, bin tgl. für längere Zeit abwesend gewesen und meine Nachbarin hat gehört und geguckt, ob Bennie jault oder bellt – nix war, er hat geschlafen 🙂 Ich war mal da, war mal weg, habe ganz normal den Haushalt gemacht, bin mit dem Auto mit ihm gefahren, spazieren gegangen, etc.

Manchmal war ich ein wenig überfordert, wenn ich mit dem kleinen Kerl so ganz alleine war, aber auch das ging in Selbstbewusstsein über, auch dank der Hundeschule später.

Abends, wenn mein Mann und ich um 21.00 Uhr schon hundemüde auf der Couch lagen und uns die Augen zufielen, gab Bennie in den ersten 2 Monaten so richtig Gas. Wie ein Duracell-Haserl schaltete er seine Energie an und tobte durchs Haus, tollte auf uns herum, forderte uns zum Spielen und Raufen auf. Solange bis sich auch das gab und ich den Trick fand, wie ich den Hund in Tiefenschlag streicheln kann.

Bennie ist nun über 2,5 Jahre alt, ist ein – GsD – nicht bellfreudiger Rüde mit Intelligenz (= Sturheit), er meldet nur, wenn vor dem Haus was passiert was ihn stört (der Erzfeind geht draußen vorbei) oder worauf er sich freut (Nachbarin, mein Mann kommt, etc.). Ansonsten bellt er im Haus nur, wenn er uns zum Spielen auffordert und wir nicht reagieren.

Mein Mann hat bis heute das Wichtigste, nämlich den Hund zu ignorieren, nicht gelernt. Und Bennie weiß das. Er weiß genau, dass wenn mein Mann „nein“ sagt, er das nicht durchhält, den Hund nicht ignoriert und trotzdem schlussendlich das macht, was der Hund will. Dafür weiß Bennie genau, dass ich das sehr wohl kann. Nur mehr selten werden alle Spielzeuge auf meinem Bauch abgelegt und ich aufgefordert zum Spielen. Er weiß, er hat kein Glück bei mir, denn ich halte mich daran: der Mensch beginnt das Spiel und der Mensch beendet das Spiel, nicht der Hund. Tja, ist mein Mann selbst schuld. Seitdem wartet Bennie jeden Abend auf das gleiche Ritual: wenn mein Mann gegessen hat und sich waagrecht auf die Couch legt, dann legt sich Bennie ausgestreckt auf meinen Mann drauf und es wird gekuschelt. Nach wenigen Minuten läuft Bennie dann zu seiner Spielkiste, holt ein Spielzeug, läuft damit zu meinem Mann, wartet ab, bis dieser mindestens 5x „nein Bennie“ gesagt hat und dann gehts los mit Spielen 🙂 Und ich sitze daneben und genieße meine Ruhe 🙂

Bennie hat sich zu einem sehr hübschen Rüden entwickelt. Er wird von Anfang an gebarft und dies tut ihm gut, der TA ist ganz begeistert von ihm: schönes Fell, total schöne Zähne ohne Belag oder Karies, die Augenprobleme (rote Augen bei Wind) sind bei Sennenhunden bekannt und benötigen nur eine Therapie, wenn sie entzunden auch noch sind. Das Gewicht ist gut mit 27kg und seine Tagesration von ca. 1kg Futter (RFK/Putenhälse und 1/2kg Mix) sind genau richtig für ihn. Er ist sicherlich ein guter Wachhund, wenn es die Situation erfordert. Gotte sei Dank hütet er unsere Katzen nicht, die haben ihn mittlerweilen schon so erzogen (ui, das ist ne eigene Geschichte: Bennie und die Katzen), auch Kinder im Haus zu Besuch oder Rudelmitglieder werden nicht gehütet, sprich kein Stechen, Bellen, Umherlaufen, Einkreisen, etc. Bennie liebt alle Menschen, die wir lieben. Das Hochspringen ist nach wie vor so ein Thema und er zuckt bei meinem Mann als der Hauptbezugsperson komplett aus, wenn er heimkommt.

In der Hundeschule war hpts. ich mit ihm und zur Erziehung bin auch noch ich zuständig, aber Sport ist Sache meines Mannes. Da ich mir voriges Jahr den Knöchel gebrochen hatte UND mittlerweilen – wie befurchten – bezüglich des Brustkrebses Metastasen habe und eine Chemo bekomme (mit Nebenwirkungen), kann ich seit dem Knöchelbruch nicht mehr mit dem Hund gehen. Da ist einfach eine Mixtur aus Nachheilen des KNöchels und den Nebenwirkungen der Chemo dran schuld, ich bin manchmal schon froh, wenn ich von der Couch aufs Klo komme.

Mein Mann macht fast täglich bzw. mehrmals wöchentlich Sport mit ihm: Radfahren, Scootern, Wandern, Tourenski fahren, Skifahren, Schwimmen steht an oberster Stelle. Nachdem Bennie als Welpe mitten im tiefsten Winter ungeplant in die Leitha gefallen ist (mein Mann machte sich damals schon bereit, dem Hund nachzuspringen, wenn er nicht rauskommt) und aber sofort selbst ans Ufer geklettet ist und getan hat, als wäre nichts geschehen, war seine Liebe zum Wasser erweckt. Mittlerweilen ist es so, dass wir ihm nicht mal irgendein Spieli oder so ins Wasser werfen müssen, wenn der Hund auf einmal weg ist und man nur ein sattes „Platsch“ hört, dann hat er irgendwo Wasser entdeckt und ist schon drinne. Gestern hat er z.B. Baumstämme „gehütet“ und sie alle aus der Leitha ans Ufer „gerettet“. Sein bester Freund Lucky, der meistens mit von der Partie ist und wasserscheu ist, saß wie immer am Ufer und hat gejault.

Was uns aber am meisten das Herz öffnet ist, dass Bennie der verschmusteste Hund der Welt ist. Immer bei seinen Menschen oder beim Rudel (also + Nachbarin und deren Schwester auch ab und zu sowie den Eltern des Magyar vizsla), gestreichelt werden wollen, sich auf einen draufschmeissen, Kopfstoßen, etc. Aber einfach nur Schmusen und das ist für mich das Schönste das es gibt! Ich liebe ihn einfach über alles! Ich liebe auch meine Katzen, aber auf eine ganz andere Art und Weise!

Und ich bin ein Hundemensch auch noch geworden! Ich hätte mir nie gedacht, dass ein Hund so ganz anders ist, nämlich wirklich so ganz anders als Katzen. Er liebt vorbehaltlos, ohne Wenn und Aber, zeigt diese Liebe auch und muss nicht erst lernen, wie man liebt und dies zeigt wie wir Menschen. Mein Herz geht auf, wenn unser beider Rituale durchgezogen werden, denn auch mit mir hat Bennie Rituale, die jedoch so ganz anders sind als bei meinem Mann. Diese Rituale gehören dafür nur uns beiden, die sind wichtig für uns und ich brauch sie fast noch dringender als Bennie!

Und so kam ein Hund in unser Leben…..

Und wir beide fürchten den Tag, an dem er uns verlassen muss. Ganz ehrlich? Da meine Prognose nicht so berauschend ist, hoffe ich direkt, dass ich vor Bennie gehen darf, dann erspar ich mir den fürchterlichen Schmerz des Abschiedes. Egoistisch, ich weiß, aber die Wahrheit!

 

 

3 Gedanken zu „Und dann trat ein Hund in unser Leben…

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