„Der schwarze See“ bzw. „Die Nebel von Caelyx“

Blinzeln, ein Auge aufmachen, probeweise. Nichts tut sich, Stille im Morgengrauen. Das zweite Auge versuchsweise aufmachen. Und schon ist es zu spät: eine sanfte Hundeschnauze gräbt sich in meine Nase, während eine dicke Hundepfote auf meinem Port-a-Cath herumdrückt und mir damit zeigt, dass es schön ist, dass ich endlich munter bin. Hunger und Pfützi-Notwendigkeit, ich verstehe. Uff, auweia, Schmerzen im 5. ICR re., die sich rasch über den ganzen Thorax ausbreiten. Ah, Guten Morgen Usher, hallo Nils, guckuck Gini – meine Maine Coons sind also auch schon munter und verlangen nach Aufmerksamkeit und Futter.
Also gut, ihr Lieben, Mama steht ja schon auf. Kacheln putzen, Medikamente nehmen, selbst Pfützi gehen, dann alle Vierpföter füttern. Kaffee machen, den Laptop starten und schon die ersten Gedanken an den kommenden Urlaubstag machen. Einkaufen, Wolle gucken gehen, mit der Nachbarin ein Plauscherl halten, ein bissi mit Freundinnen in Whatsapp oder über den FB-Messenger schreiben. Vielleicht eine neue Serie anfangen, auf der Couch chillen und das Buch fertig lesen, das seit dem letzten Urlaub herumliegt. Das klingt alles supertoll und echt entspannend!

Wie jetzt, ihr glaubt, das läuft wirklich so ab? Leider nein.

Vielmehr ist es, als würde ich in einem dunklen, schwarzen See schwimmen. Ein See voll Zeit, die nicht vergeht. Ein See voll düsterer Gedanken, wabbernden Nebels und trübsinniger Stimmung. Nebel, durch den ich nicht dringen kann. Nebel, den ich nicht mit Licht und Sonne verdrängen kann, nur durch Schlaf. Schlaf, der viele Stunden gnädig ist und Zeit verfließen lässt, dennoch nicht Zeit genug. Nebel, der voll ist mit Angst zu ersticken an festen Speisen. Dunkelheit, die gefüllt ist mit Resignation und Trübsinn. Undurchdringliche Tiefe, die keinen Grund zu haben scheint, kein Ankommen und Beenden. Schwärze, die Einsamkeit und Verlorensein in sich trägt. Fragen, die nicht beantwortet werden können, Gedanken, die sich verlieren und nicht zu stoppen sind. Freundschaften, die unerreichbar scheinen, Gefühle, die man nicht haben möchte. Doch eines stellt sich nie – die Frage nach dem „warum“.

Und dann, ganz langsam, für andere unsichtbar, für mich jedoch ein neues Lebensgefühl – es lichtet sich der Nebel, hier, sieh! Normalität stellt sich ein, Schmerzen verschwinden ganz leise, nur mehr als Hauch spürbar. Die Gedanken werden farbenfroher.

Bis demnächst sie wieder kommen… die Nebel von Caelyx.

Ein Gedanke zu „„Der schwarze See“ bzw. „Die Nebel von Caelyx“

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