Mein Gerüst

Wie ihr ja vielleicht mitbekommen habt, bin ich auf Rehab. Hier hört man viel, sieht viel und denkt viel nach. Ein Vortrag „Umgang mit der Angst“ hat mich nachdenklich gemacht. Muss ich mich wirklich mit meiner Angst konfrontieren? Reicht es nicht, dass mich meine Angst ab und zu überholt und erwischt? Über all die Jahre habe ich mir, egal ob Schalentier ja oder nein, ein Gerüst aufgebaut. Dieses Gerüst sehen die Menschen und definieren mich darüber, jedoch auch ich selbst wurde zu diesem Gerüst. Es hilft mir, durchs Leben zu gehen mit nur minimalen Schäden und ohne große psychische Verletzungen. Aber ist es gut, mein Gerüst zu tragen? Sollte ich nicht ab und zu den Kopf rausstrecken und mal gucken, was es dahinter gibt? Eigentlich will ich mich gar nicht mit meiner Angst konfrontieren, aber die Psychologin hier meinte in dem Vortrag, dies wäre schon gut, wenn man das täte…. Hm, was  mach ich jetzt?

Die Folge war, dass ich nach dem Vortrag mit schlechtem Gewissen herumgelaufen bin. Ist schwer zu erklären….

Nun, diese Frage hat mich also so beschäftigt, dass ich sie hier vor Ort mit meiner Therapeutin besprochen habe. Mir war wichtig, ob mein Gerüst gut ist, ob es richtig ist, nicht dahinter zu schauen aus Angst, die Verantwortung zu verlieren und meine Stabilität.

Resümee: ja, mein Gerüst ist wichtig, tut mir gut, hält mich am Leben und gibt mir die Stabilität, mit der Krankheit umzugehen. Mein Gerüst definiert mich und macht mich stark.

Und es ist völlig in Ordnung, Fragen wie „Wie gehst du mit der Krankheit um? Wie schaut es in deinem Inneren aus? Welche Gedanken hast du? Wie schaffst du es, so stark zu bleiben?…“ NICHT beantworten zu können, weil es dafür keine Worte gibt.

Also alles gut, alles bleibt beim Alten und ich bin beruhigt!

 

Ein Gedanke zu „Mein Gerüst

  1. Hallo! Der Gedanke eines Gerüsts gefällt mir, auch, dass man nicht unbedingt dahintergucken und sich mit seiner Angst auseinandersetzen muss. Mir geht es besser, wenn ich mich nicht dauernd mit meinem Hirntumor und dem Tod befasse und mich auch mal mit kitschigen Romanen oder Ķrimiserien in der Glotze ablenke von der Grübelei, die ja eh nichts hilft. Natürlich rutsche ich zwischendurch immer mal wieder in ein Loch, aber das darf frau auch in so einer Situation. Schön, dass dein Damoklesschwert wieder ein wenig höher hängt! Grüßle Ursel

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