Keine Zeit für Tränen

Jetzt wird’s a bist schwierig. Da ich nicht/kaum mehr tippen kann, diktiere ich den Text ins Handy und schicke ihn so herum, dass er hier landet. Gar nicht so einfach.

Oft werde ich gefragt, wie ich mit der jetzigen Situation umgehe – ich weiß es nicht. Ich wundere mich, dass ich mich so rasch an die berufliche Endzeit gewöhnt habe, aber wenn es einem nicht gut geht, dann denkt man auch gar nicht ans arbeiten.

Aber wie schaut es innen in mir aus? Ich weiß es nicht. Nein, ich weiß es wirklich nicht. Gestern ein Anflug von Panik am Abend: f…., ich habe kommenden Donnerstag schon wieder Blutbildkontrolle. Was wird sein, wie werden die Leberwerte sein? Haben sich die anderen Werte verschlechtert? Und vor allem, greift meine Chemo noch? Oh Mann, das kann man Kopfkino der feinsten Art nennen. Trotz Schlafmittel ging da gar nix.

Zeit für Tränen? Nein, zumindest bis jetzt nicht. Antrag auf Berufsunfähigkeitspension, Antrag auf Pflegegeld, Antrag auf…… Viele Formulare, viele Unterschriften, GsD alles unbürokratisch und schnell erledigt, aber dennoch kostet es mich Zeit und Kraft.

Ich merke, ich kann nur eine Sache pro Tag machen, z.B. Antrag auf XX, dann bin ich erschöpft und schlaf mal ne Runde.

Viel Fernsehen, kein Stricken (bin immer zu müde dazu) und nur selten Kopfkino. Keine Zeit für Tränen. Und wenn ich mich mal der Realität stelle, dann ist das ganz fürchterlich.

Und mir ist vieles peinlich. Z.B., dass mich an schlechten Tagen, wenn man mal wo kurz einen Kaffee trinken geht oder außerhalb ist, mein Mann zur Toilette begleiten muss, weil ich meine Füße nicht spüre und bei nicht glattem Untergrund und meiner sensorischen Ataxie viel zu viel Gefahr besteht, dass ich stürze. Oder ich bin einfach zu schwach, um alleine wohin zu gehen (Toilette, etc.). Das ist mir in der Öffentlichkeit sehr peinlich. Oder es ist peinlich, mich beim Einkaufen mit meiner Nachbarin mich von ihr stützen lassen zu müssen an Tagen, an denen es mir nicht gut geht mit Kreislauf oder der Beinschwäche. Duschen gehe ich nur, wenn mein Mann im Haus ist, da ich viel zu viel Angst habe, zu stürzen und dann keine Hilfe holen zu können. Auch wird unser Haus um Haltegriffe erweitert, sodass ich dann alleine vom WC runterkommen sollte und nicht mehr da auch Hilfe benötige.

Also wenn ich genau über meinen Zustand nachdenken würde, dann würde ich nur heulen, die ganze Zeit. Aber ich kämpfe weiter, bis zum bitteren Ende, wann auch immer das sein möge. Tränen werden noch genug fließen, auch bei mir, aber nicht jetzt, jetzt hab ich keine Zeit dafür, denn ich muss mich aufs Kämpfen konzentrieren.

So long, ihr Lieben, bis bald wieder mal!

13 Gedanken zu „Keine Zeit für Tränen

  1. Liebe Christa, du bist so tapfer. Ich bewundere deinen Kampfgeist! Alles Liebe und viel Kraft! Ich denke oft an dich und wie du mir Benni vorgestellt hast! Ich bin so glücklich mit Roxy und Danke Dir dafür, dass du mir gezeigt hast, wie toll Entlebucher sind! Alles, alles Liebe! Maria

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  2. Liebe Christa!
    Deine Worte haben mich sehr berührt. Ich wünsch Dir so sehr, dass Du manchmal auch am Abend im Bett liegst und Dir eine Sache einfällt, dir doch kurz leicht lächeln hat lassen oder doch kurz zufrieden gemacht hat. Neben all den Ängsten, was Dir unangenehm oder peinlich ist. Allerdings peinlich muss Dir gar nichts sein, liebe Christa und so wie ich Dich kennengelernt hab, bist Du eine sehr offene, direkte, mutige Frau. Du hast Dir bei Gott das alles nicht ausgesucht und dementsprechend super, dass Du noch hinausgehst und versuchst, das Optimum herauszuholen. Das ist toll und nicht peinlich.
    Und ansonsten rede ich nicht gescheit, denn niemand kann irgendwie ermessen, wie es Dir genau geht. Ich schick Dir einfach eine Umarmung und denk weiter viel an Dich!

    GLG
    Kerstin

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  3. Ich bedauere dich nicht, denn das hilft nicht sondern stört.
    Es ist gut, daß du Hilfe annimmst, denn nur so kannst du dir eine gewisse Selbständigkeit erhalten.
    Alles Liebe und Gute für Dich
    😚 Elke

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  4. Oh Mann, Christa, das es überhaupt nicht besser wird 🙄🤨
    Gustav und ich sind bei dir, nach wie vor wollen wir dich kennen lernen, wenn es irgendwie möglich ist – die Entfernung ist definitiv kein Hindernis 😉😂Wenn du es möchtest und kannst 🤔🥰🤨

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  5. Liebe Christa, die Zeit wo wir befreundet waren und du bei mir gewohnt hast war eine schöne Zeit Schade das es sich so entwickelt hat. Aber ich hoffe und wünsche mir für dich, dass die Chemo diesmal hilft und du eine relative schmerzfreie Zeit hast. Fühlt dich von mir gedrückt. BRIGITTE

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