Palliativstation

Nachdem viele von euch immer so lieb fragen, wie es mir geht und ich in Einzelpostings nicht antworten möchte, hier meine Infos:

Es ging mir die letzten Wochen schlecht: Aszites, Stauungsdermatitis, Dyspnoe, starke Bauchschmerzen, etc. Aber die Chemo wurde weiter verabreicht und ich war immer mal wieder stationär aufgenommen. War sehr schwach teilweise, zu schwach, um zu telefonieren.

Ich habe dann Kontakt zur Palliativmedizin Burgenland aufgenommen und wurde ab sofort bestens betreut, nicht ahnend, wie rasch ich eine detailliertere Unterstützung benötigen werde.

Vorigen Sonntag dann wieder stationäre Aufnahme im KH, da es mir echt mies ging.

CHT wird pausiert, alle Blutwerte sind eine Katastrophe und auch die Klinik spiegelte dies wieder. Dann tauchte auf einmal das Wort Palliativstation auf. Natürlich habe ich mich immer wieder sehr eng damit befasst in Gedanken, aber dass es so rasch gehen würde….

Nun denn, jetzt bin ich nach wie vor stationär im KH und warte auf ein freies Bett auf der Palliativstation in Eisenstadt.

Mein Arzt meinte, sollte ich mich klinisch und labormäßig tatsächlich noch mal aufrappeln, so könnte noch eine Chemo gegeben werden, andernfalls….. naja, wir wissen, wie’s nach der Palliativstation weitergehen könnte.

Ich habe mich jedenfalls über alle Anfragen nach meinem Befinden wirklich sehr, sehr gefreut, zumal ich einige von euch ja wirklich nur von FB kenne.

Nachdem mir Schreiben sehr schwer fällt, können Postings unbeantwortet bleiben, aber seid euch sicher, lesen tu ich sie alle.

Bleibt gesund und bleibt wie ihr seid!

 

Immer ist irgendwas!

Also es ist wirklich verflixt! Irgendwas ist immer! Entweder hat der Hund Termine beim Tierarzt oder einer der Kater muss wieder mal hin oder das Frauli hat wieder mal was. Jetzt sind die Tiere gesund, nur Nils gehört noch 02/2020 geimpft, dafür war meinem Körper offenbar langweilig so ganz ohne Nebenwirkungen zur Chemo, denn am 15.02. begannen relativ plötzlich Schmerzen im Bereich der re. Nierenloge. Eh klar, woran denkt man zuerst? An eine Pyelonephritis oder einen HWI oder irgendwas da unten, auch wenn die sonstige Symptomatik fehlt. Kein Problem, wir nehmen Novalgin. Erst, als die Schmerzen ohne Novalgin ertragbar waren, demaskierten sich Fieberschübe bis fast 38,9°C, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und manchmal dachte ich, ein LKW wäre über mich gerollt. Also ab auf die Ambulanz. Nieren o.B., Nierenwerte in der Norm, Harn o.B. Hm, könnte eine Pneumonie dahinterstecken? 2 Tage drauf demaskierte sich dann im Röntgen die Pneumonie re. basal, daher auch die Schmerzen in diesem Bereich. Eh klar, irgendwas ist immer!

Und das Ende vom Lied? Die Chemo fiel 1x aus vorige Woche und gerade jetzt sitze ich in der TKL und die DGKP schließt meine Chemo an.

Also, langweilig wird uns Pensionisten wahrlich nicht 🙂 !

Eure Christa

13 lange Jahre….

Ein neuer Zeitabschnitt geht zu Ende und ich muss mich erst daran gewöhnen. 13 Jahre lang war ich für einen führenden Gefäßchirurgen in seiner Privatordination seine Ordinationskoordinatorin/-managerin, saß neben ihm und bekam die Pat.briefe direkt diktiert, betreute all die Jahre das Ordihandy mit der Terminvereinbarung, war fast immer für die Patienten erreichbar und erlebte so manches Leid.

Aber auch das geht vorüber! Gestern schulte ich meine Nachfolgerin ein und übergab ihr alles. Ist ganz ungewohnt, kein Läuten des Ordihandys mehr, keine Patienten, die etwas benötigen oder einen Termin brauchen oder sehnsüchtig auf ihren OP-Termin warten.

Nach 13 Jahren ist das ganz ungewohnt, aber auch für meinen Ex-Chef, er muss sich jetzt komplett an eine andere Persönlichkeit, einen anderen Charakter und eine andere Arbeitsweise gewöhnen, mal schauen, wie er sich damit tut 🙂

Wenn Patienten dies lesen – es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut und ich danke Ihnen für all die Jahre Ihres Vertrauens!

Nov. 2019 – und ich bin noch hier!

Ja, ich kann es auch gar nicht glauben, aber wir haben heute den 30.11.2019, in 24 Tagen ist Weihnachten und ich bin noch immer hier! Lebendig, frisch, fröhlich, wieder ein bisschen moppelig und bin guten Mutes und hoffnungsvoll!

Seit 01.09.2019 befinde ich mich in der Berufsunfähigkeitspension und fühle mich wohl. Mir geht das Arbeiten nur selten ab, die KollegInnen hingegen öfter. Da ich aber alle 3 Wochen zur Blutabnahme muss, besuche ich immer meine Ex-Kolleginnen und das genieße ich sehr. Ein bisschen plaudern, hören, dass sich nichts verändert hat und alles nach wie vor stressig ist. Lediglich der 13 Jahre lang laufende Nebenjob in einer Privatpraxis fehlt mir schon und je besser es mir geht, umso mehr sogar.

Aber ich genieße meine Tage, hab doch als Pensionistin eh viel zu wenig Zeit und bin fast  ständig auf Achse! Ahja, ich bin jetzt das neueste Mitglied im Pensionistenverband in Neufeld a.d. Leitha! Ja, lustig, ich muss auch immer schmunzeln! Mit 49 Jahren im Pensionistenverband…… Jedenfalls habe ich meinen ersten Pensionistenausflug auf einen Weihnachtsmarkt schon hinter mir.

Meine Werte sind hervorragend, die Ärztinnen mehr als zufrieden mit mir und alle bestätigen mir, dass ich wieder toll aussehe, gesund und proper! Was will man (Frau) denn noch mehr. Die Nebenwirkungen der letztens, fast letalen, CHT sind verschwunden und das freut mich am meisten, denn darunter war’s echt nicht lustig. Lediglich meine Lebenserwartung ist nicht gestiegen, leider. Meinen 50. Geb. im März 2020 werde ich vl. noch schaffen, ob sich aber der Sommer 2020 ausgeht sei fraglich. Naja, so gut, wie es mir jetzt geht, kann ich mir das gar nicht vorstellen, aber wie sagt man so schön? Aufgeben tut man nur einen Brief auf der Post! Und genauso sehe ich das.

Leider fällt mir halt auch auf, dass ich in Neufeld so überhaupt nicht sozial eingebunden bin. Ich habe meine 76-jährige Nachbarin als enge Freundin und einen FF-Kollegen meines Mannes, aber das war’s dann leider auch schon. Niemand, mit dem ich mal spontan in die Konditorei auf einen Kaffee gehen kann, niemand, mit dem man nach Wr. Neustadt mal bummeln geht, keiner, der einen mal aus der ab und zu vorhandenen Trübseligkeit reisst. Ich weiß aber halt auch nicht, wie ich das ändern soll. Mein Versuch, über FB eine Gruppe von BK-Betroffenen zu finden, endete im Nirwana. Dies wunderte mich, denn ich weiß vom Hörensagen von einigen Damen, die auch BK-Betroffene sind/waren, aber keine hat sich gemeldet….. Schade!

So verbringe ich meine Tage mit unserem Hund und dem MC-Kater im Haus, stricke, schaue fern, halte Nickerchen und erhole mich.

Dafür freuen wir uns alle schon auf Weihnachten, ich mich ganz besonders, denn das war ja nicht abzusehen, dass ich da noch unter den Lebenden weile.

Ihr Lieben, sollte ich vor Weihnachten nichts mehr posten, so wünschen die Burghubers euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020!

Keine Zeit für Tränen

Jetzt wird’s a bist schwierig. Da ich nicht/kaum mehr tippen kann, diktiere ich den Text ins Handy und schicke ihn so herum, dass er hier landet. Gar nicht so einfach.

Oft werde ich gefragt, wie ich mit der jetzigen Situation umgehe – ich weiß es nicht. Ich wundere mich, dass ich mich so rasch an die berufliche Endzeit gewöhnt habe, aber wenn es einem nicht gut geht, dann denkt man auch gar nicht ans arbeiten.

Aber wie schaut es innen in mir aus? Ich weiß es nicht. Nein, ich weiß es wirklich nicht. Gestern ein Anflug von Panik am Abend: f…., ich habe kommenden Donnerstag schon wieder Blutbildkontrolle. Was wird sein, wie werden die Leberwerte sein? Haben sich die anderen Werte verschlechtert? Und vor allem, greift meine Chemo noch? Oh Mann, das kann man Kopfkino der feinsten Art nennen. Trotz Schlafmittel ging da gar nix.

Zeit für Tränen? Nein, zumindest bis jetzt nicht. Antrag auf Berufsunfähigkeitspension, Antrag auf Pflegegeld, Antrag auf…… Viele Formulare, viele Unterschriften, GsD alles unbürokratisch und schnell erledigt, aber dennoch kostet es mich Zeit und Kraft.

Ich merke, ich kann nur eine Sache pro Tag machen, z.B. Antrag auf XX, dann bin ich erschöpft und schlaf mal ne Runde.

Viel Fernsehen, kein Stricken (bin immer zu müde dazu) und nur selten Kopfkino. Keine Zeit für Tränen. Und wenn ich mich mal der Realität stelle, dann ist das ganz fürchterlich.

Und mir ist vieles peinlich. Z.B., dass mich an schlechten Tagen, wenn man mal wo kurz einen Kaffee trinken geht oder außerhalb ist, mein Mann zur Toilette begleiten muss, weil ich meine Füße nicht spüre und bei nicht glattem Untergrund und meiner sensorischen Ataxie viel zu viel Gefahr besteht, dass ich stürze. Oder ich bin einfach zu schwach, um alleine wohin zu gehen (Toilette, etc.). Das ist mir in der Öffentlichkeit sehr peinlich. Oder es ist peinlich, mich beim Einkaufen mit meiner Nachbarin mich von ihr stützen lassen zu müssen an Tagen, an denen es mir nicht gut geht mit Kreislauf oder der Beinschwäche. Duschen gehe ich nur, wenn mein Mann im Haus ist, da ich viel zu viel Angst habe, zu stürzen und dann keine Hilfe holen zu können. Auch wird unser Haus um Haltegriffe erweitert, sodass ich dann alleine vom WC runterkommen sollte und nicht mehr da auch Hilfe benötige.

Also wenn ich genau über meinen Zustand nachdenken würde, dann würde ich nur heulen, die ganze Zeit. Aber ich kämpfe weiter, bis zum bitteren Ende, wann auch immer das sein möge. Tränen werden noch genug fließen, auch bei mir, aber nicht jetzt, jetzt hab ich keine Zeit dafür, denn ich muss mich aufs Kämpfen konzentrieren.

So long, ihr Lieben, bis bald wieder mal!

Aus Irgendwann wird Demnächst…

Wie soll ich es sagen, ohne emotionslos und hart zu wirken? Ich erzähle einfach, wie meine letzten Tage abgelaufen sind in der Hoffnung, dass diejenigen, die mich kennen, wissen, dass es mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat, dass Tränen geflossen sind und Ungläubigkeit mein Leben ab nun bestimmt.

Nachdem ich von meinen neu aufgetretenen Lebermetastasen erfahren hatte, erfolgte die Umstellung auf eine neue Chemo. Vom ersten Tag an sagte ich, dass mich diese Chemo umbringen wird und mehr schadet, als nützt, mein Bauchgefühl sagte mir das sowie mein körperlicher Zustand.

Nachdem ich nach 2 Zyklen immer wieder stationär aufgenommen werden musste, weil ich so schwach war und meine Blutwerte unwahrscheinlich mies waren, wurde die Staging-CT vorgezogen. Als mir die Ärztin das Ergebnis mitteilte, dachte ich, ich sei im falschen Film.

Mein CT bestätigte, was mir mein Bauchgefühl gesagt hatte: keine Wirkung, nur Schäden. Es sei, als hätte ich die 2 Zyklen nie erhalten, sprich seit 14.5.19 bis 24.7.19 ohne Chemo existiert hätte. Zunahme der Lebermetastasen, Größenzunahme der Pleurakarzinose, neu aufgetretene Knochenmetastasen, neu aufgetretene bzw. progrediente Lymphknoten, ramponierte LWK und BWK, Fraktur der 5. Rippe re.

Zitat Ärztin: Christa, die Situation ist sehr ernst und limitiert. Zusammenfassung inkl. nachfolgenden Gesprächen mit Ärzten: der limitierende Faktor ist und bleibt die Leber. Wir haben nun eine Chemo mit Xeloda begonnen, haben noch, sollte diese nicht wirken, eine weitere Möglichkeit mit mehr Risiken und Schäden, aber dann bin ich austherapiert. Wo sind denn die angeblich noch vielen Möglichkeiten an Therapien??? Sie sind weg, vergangen, nutzlos.

Austherapiert! Das Wort, das onkologische Patienten nie hören wollen. Limitiert! Die Leber ist der limitierende Faktor. D.h., wir müssen meine Leber am funktionieren halten, denn ohne Leber war’s das. Wir müssen hoffen, dass die jetzige Chemo der Leber nicht allzu schadet, sondern die Metas vernichtet dort drinnen.

Wir müssen uns aber auch unterhalten über Bestattung, Organisation, Wünsche, die ich noch habe, Möglichkeiten, die mir nicht mehr bleiben, Jobs, die ich nicht mehr ausüben kann, finanzielle Angelegenheiten, Seelenmesse, Pflegegeld, Heimhilfe, Pflegedienst, mobiles Hospiz, etc. Gespräche, die sowohl für mich als auch meinen Mann nötig sind, um mit dieser limitierten Situation umzugehen. Denn ob ich Weihnachten erleben werde, kann fraglich sein.

Was ich mir wünsche? Dass die Schmerzen, die ich bereits habe, in den Griff zu kriegen sind, dass die Chemo wirkt und mir noch ein paar Wochen mehr bleiben. Dass mein Leben so zu Ende geht, wie ich es mir wünsche: schmerzfrei mit Vendal und Dormicum mit meinem Mann an meiner Seite.

All denen, die in den letzten Tagen geweint haben wegen mir – danke, dass ihr mich an euren Tränen teilhaben ließt. Danke für eure Umarmungen und eure Freundschaft, danke für eure rührenden Worte und eure Betroffenheit. Habt keine Angst, mich anzurufen, habt Mut, mich anzusprechen, redet mit mir, worüber ihr reden möchtet. Denn auch ich brauche Trost und Zuwendung sowie Freundschaft und Umarmungen.

Kommt zu meiner Seelenmesse ins SJK, sagt, was ihr sagen möchtet und ich werde es hören.

Umarmt meinen Mann, zeigt ihm, dass er nicht alleine sein wird, dass ihr bei ihm seid und ihm die Freundschaft anbietet, die uns verbunden hat!

Ich werde weniger bloggen, u.U. gar nicht mehr, denn ich bin mal mehr, mal weniger schwach und schlafe schon viel.

Eure Christa

Carboplatin…

… oh, du mein Carboplatin! Wie wirst du mein Leben bereichern!

Knochenschmerzen, Magenschmerzen, Haarausfall, Fatigue, Wallungen, Hypertonie, Tachycardie, ein wenig Nausea, Schwäche, etc. Da werde ich ja direkt noch nostalgisch, erinnert mich stark an meine ersten Caelyx-Erfahrungen. Hm, hoffte zwar, dies nicht mehr nochmals zu erleben, aber jetzt sind mein Mann und ich ja schon „Profi“. Was dich nicht umbringt, macht dich stark.

From the beginning!

Tja, was soll ich sagen…. Da war ich jetzt stationär aufgenommen wegen Blutdruck- und Blutzuckerentgleisung und gehe heim mit neu aufgetretenen multiplen Lebermetastasen.

GsD gibt es viel Ärzte und Freunde, die mir mit Geschichten von anderen Betroffenen, die damit gut klarkommen, Mut machen. Trotzdem sehe ich im Geiste meine liebste Freundin vor mir, bei der voriges Jahr im Mai die Lebermetas entdeckt wurden und die letzteendlich am 30.12.2018 verstarb am Leber- und Nierenversagen. No na ned, dass mir dies im Kopf herumgeistert.

Aber jetzt gehts mal wieder los. Kommenden Montag Aufnahme, Dienstag Leberbiopsie, Mittwoch Entlassung. Dann mal 1 Woche Urlaub und wenn ich wieder da bin, ist die Histo auch schon im Haus und mein Onkologe wird mir sagen können, wie’s weitergeht, also mit welcher Chemo, etc.

Irgendwie krieg ich jetzt echt Angst….

Lang ist’s her…

Lang ist’s her, dass ich gebloggt habe, doch nicht immer ist es so leicht, etwas von sich zu geben, vor allem ist es schwer, das Innerste nach außen zu tragen. Doch ab und zu ist es nötig.

Seit nun 1 Jahr nehme ich Afinitor und Aromasin, immer mit Regressionsbefunden, doch ich fürchte, diese Zeit geht zu Ende. Seit Wochen habe ich beim Husten im rechten Brustkorb unerträglich starke Schmerzen. Ich pochte auf ein verfrüht eingeschobenes CT, doch da der erst kurz vorher gemachte Befund so positiv war, „können wir ruhig bis Mai warten, was soll denn da in der kurzen Zeit gewachsen sein“. Hm, es bin ja „nur“ ich, die seitdem mit dem Kopfkino kämpft…. Naja, ich kann ja deflamat nehmen, das bannt die Schmerzen. So einfach ist das meiner Meinung nach nicht, aber ich habe gelernt, mich in Geduld zu üben und arbeiten lenkt ab.

GsD bin ich – subjektiv – noch weit von den ersten schicksalsträchtigen Symptomen noch verschont: Dyspnoe, reduzierter AZ, Gewichtsabnahme, therapierefraktärer Husten, Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, etc. Dann würde ich Panik schieben, denn das hieße eventuell Pleuraerguss, usw. Ja, auch ich höre Flöhe husten, jeder Hustenreiz wird genauest analysiert von mir – kommt da was nach oder habe ich nur 1x gehustet? Kriege ich eh genug Luft beim normalen Gehen? Bin ich müder als sonst?

Doch was mir Trost gibt und Kraft ist, dass ich beim besten Onkologen bin, den ich mir nur wünschen kann und im besten KH. Ich werde liebevollst umsorgt, man nimmt sich meiner tw. schon paranoiaähnlichen Gedanken immer an und tut auch was. Und das alles ist auch sehr wichtig, denn dies schafft Vertrauen und ohne Vertrauen brauch ich gar ned mehr weitermachen.

Was mich freut ist, dass ich in letzter Zeit immer öfter kontaktiert werde mit privaten Fragen von Betroffenen, Angehörigen, Hinterbliebenen. Auch hat sich herumgesprochen, dass ich in dem KH, in dem ich arbeite, vor vielen Jahren ein TRAUERCAFE gegründet habe, das es nach wie vor gibt und dem wir nun einen neuen Rundum-Chic verpassen mit neuem Namen, anderen Ansprechpersonen und hoffentlich in Folge noch mehr Menschen, denen wir damit geben können, was sie sich von uns erwarten und erhoffen. Nur keine Angst, ich bin nach wie vor die ehrenamtliche Ansprechpartnerin am Telefon für alle Fragen 🙂

Vielleicht schaffe ich es ja auch, eine Selbsthilfegruppe im KH zu implementieren, Ideen genug habe ich dazu, aber damit warte ich noch ein wenig ab.

Jaja, soooviele Träume, Vorhaben, Ideen und Pläne habe ich …. Und jetzt bitte nicht denken: ja kann sie das denn alles noch umsetzen? Sie weiß doch nicht, wann’s zu Ende geht? Ja, ihr habt recht, es kann, so wie bei meiner besten und liebsten Freundin, innerhalb von nicht mal 3 Wochen zu Ende sein. Und? Ja, was „und“… ich weiß es auch nicht.

Aber egal…. was ich wirklich möchte, das weiß ich oft selbst nicht!

So, ihr lieben Leser! Für heute ist’s genug!

Eure Christa

 

Na, das geht ja schon „lustig“ los….

Alle Jahre wieder,
kommt die Pneumonie.
Rafft die Burgis nieder,
wo sie gerade sind.

Doch damit’s nicht fad wird,
ist’s hiermit nicht genug.

So ein kleiner Rotlauf,
erstmals bestaunt, ist neu.
Augmentin dann hierauf,
alles wird gut, oh freu!

In diesem Sinne klinken sich die Neufelder Burgis heuer mal aus dem Silvestertrubel aus! Wir werden brav unser beider Augmentin einnehmen, ebenso das Paracodin sowie Schleimlöser & Co. Wir werden mit unserer lieben Freundin und Nachbarin gut zu Abend essen, vielleicht noch einen Tee gemeinsam trinken und uns dann in unseren Quarantänebereich zurückziehen.

Hoffen wir, dass das neue Jahr nicht so weitergeht, darauf könnten wir gut verzichten!

Euch allen einen guten Rutsch!

 

Mein Gerüst

Wie ihr ja vielleicht mitbekommen habt, bin ich auf Rehab. Hier hört man viel, sieht viel und denkt viel nach. Ein Vortrag „Umgang mit der Angst“ hat mich nachdenklich gemacht. Muss ich mich wirklich mit meiner Angst konfrontieren? Reicht es nicht, dass mich meine Angst ab und zu überholt und erwischt? Über all die Jahre habe ich mir, egal ob Schalentier ja oder nein, ein Gerüst aufgebaut. Dieses Gerüst sehen die Menschen und definieren mich darüber, jedoch auch ich selbst wurde zu diesem Gerüst. Es hilft mir, durchs Leben zu gehen mit nur minimalen Schäden und ohne große psychische Verletzungen. Aber ist es gut, mein Gerüst zu tragen? Sollte ich nicht ab und zu den Kopf rausstrecken und mal gucken, was es dahinter gibt? Eigentlich will ich mich gar nicht mit meiner Angst konfrontieren, aber die Psychologin hier meinte in dem Vortrag, dies wäre schon gut, wenn man das täte…. Hm, was  mach ich jetzt?

Die Folge war, dass ich nach dem Vortrag mit schlechtem Gewissen herumgelaufen bin. Ist schwer zu erklären….

Nun, diese Frage hat mich also so beschäftigt, dass ich sie hier vor Ort mit meiner Therapeutin besprochen habe. Mir war wichtig, ob mein Gerüst gut ist, ob es richtig ist, nicht dahinter zu schauen aus Angst, die Verantwortung zu verlieren und meine Stabilität.

Resümee: ja, mein Gerüst ist wichtig, tut mir gut, hält mich am Leben und gibt mir die Stabilität, mit der Krankheit umzugehen. Mein Gerüst definiert mich und macht mich stark.

Und es ist völlig in Ordnung, Fragen wie „Wie gehst du mit der Krankheit um? Wie schaut es in deinem Inneren aus? Welche Gedanken hast du? Wie schaffst du es, so stark zu bleiben?…“ NICHT beantworten zu können, weil es dafür keine Worte gibt.

Also alles gut, alles bleibt beim Alten und ich bin beruhigt!

 

Palliativ und IDDM – geht das denn?

Klare Antwort: ja, es geht! Palliative Therapie, also nur mehr lebensverlängernd und -qualitätserhaltend UND insulinpflichtiger Diabetes mell. Typ II ist ne Herausforderung, aber – alles ist möglich!

Mein Kopf kann es sich also täglich aussuchen: mache ich mir heute mal Sorgen um die Chemotherapie, die lebenslang fortgesetzt werden muss, oder mach ich mir heute Sorgen, weil ich gestern Nacht nen Hypo hatte und heute erschreckend hohe Werte?

Hm, wie soll man sich da entscheiden? Gar nicht, denn Frauen sind sowieso multitaskingfähig und demzufolge klappt das alles hervorragend! Je nach Lust und Laune, also, ob man depressiv oder motiviert sein möchte, kann man es sich also aussuchen.

Und wisst ihr was? IDDM zu sein macht direkt Spaß, es ist ne Herausforderung, den BZ im Griff zu haben. Und solange die CHT wirkt, brauch‘ ma uns auch keine Sorgen zu machen!

Deshalb mein heutiges Motto: ran an die Kohlehydrate! 🙂

Der diabetische Fuß!

Ja, was ist das denn, der diabetische Fuß? Das ist ein Fuß, auf den man gut aufpassen muss, also auf alle beide, denn normalerweise hat man ja zwei davon 🙂

Besonders gut muss man auf seine Fusserl aufpassen, wenn man dazu Polyneuropathie hat, egal warum jetzt auch. Man sollte täglich seine Fußsohlen, die Unterschenkel und alle Zehen kontrollieren, ob man auch keine Verletzungen hat. Denn auch die kleinsten Verletzungen können zu einer Katastrophe führen und im schlimmsten Fall zum Verlust des Fußes/Beines. Und das Böse dran ist ja, dass man diese Verletzungen nicht oder kaum spürt, vielleicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Und warum schreibe ich das? Tja, weil ich eben solche Fusserl habe und fürchterlich „intelligent“ war. Vorige Woche hat es mich am Fußrücken gejuckt (juchuu, ich spüre wieder ein wenig das Jucken!) und was hab ich gemacht? Richtig, ich hab mich hingesetzt und wie wild gekratzt, das hat verdammt gut getan 🙂 Was war die Folge davon? Ich hab mich aufgekratzt, ohne es wirklich zu merken. Erst am nächsten Tag war das betroffene Areal so richtig schön gerötet, entzündet und überwärmt. Na gratuliere, das hast ja wieder gut gemacht, liebe Christa!

Was hab ich jetzt davon? Ich darf tgl. nach dem Duschen spezielle Salben und/oder Verbände drauf tun, das Ganze schön sauber und trocken halten und mit einer Mullbinde umwickeln, denn sonst tät mir das gleich wieder runter gehen. Die chirurgische Ambulanz bei uns im Haus ist mir mittlerweilen sehr vertraut und auch das Desinfizieren und Versorgen meines Fußrückens.

Und was für schöne Schuhe ich tragen darf!! Ich komm nur in meine Crocs hinein, schaut echt „cool“ aus bei >30° im Schatten. Ich komm daher wie der ärgste Schlurf.

Also, liebe Diabetiker und Freunde der Polyneuropathie! Passt gut auf, was ihr mit euren Fusserln macht, die Konsequenzen sind nicht lustig und vor allem langwierig!

Jetzt reicht’s dann aber bald…

Ja, jetzt reicht’s dann bald, aber wirklich!

Wie sagt man so schön? Man bekommt nur das, was man ertragen kann. Besser gesagt, ertragen muss, oder? Hm…

Jedenfalls hat sich mein Körper jetzt mal wieder was Neues einfallen lassen. Zusätzlich zum bereits vorhandenen Schwerpunkt wurde ich bei der letzten Blutabnahme von der behandelnden Ärztin „einkassiert“, sprich, sofort stationär aufgenommen. Ich hatte Triglyceride von > 2000, mein HbA1c lag bei > 10 und der BZ bei mindestens 380, eher weitaus höher 🙂 Ich durfte grad noch heimfahren, meine Sachen holen und Haustiersitter checken, dann wieder sofort ab ins KH.

Und wie es mal so ist, alles, was ich nicht mag, dagegen sträube ich mich und habe daher erst nach ersten Erfolgen beim BZ den DM Typ 2, IDDM, akzeptieren können. Von da an ging’s schnell: Diabetes- und Diätologie-Schulungen, herantasten an mein BZ-Profil, beginnen, es zu verstehen, das Spritzen übernahm ich schon sehr rasch selbst. Erlernen, was der Unterschied zwischen kurz- und langwirksamem Insulin ist (Basis-Bolus-Prinzip), erlernen, wieviele Kohlehydrate eine Broteinheit und diese wiederum wieviel Kurzzeitinsulin ist, etc.

Mittlerweilen bin ich seit 6 Tagen entlassen und meine anfängliche Vorsicht und Angst, mich in den Hypo zu spritzen, ist weg. Ich bin mutiger geworden, tue mir viel leichter beim Rechnen (wofür haben alle Handies auch Rechner) und freue mich immer, wenn mein gemessener BZ innerhalb meiner tolerablen Parameter liegt. Bin echt stolz, wie rasch ich das gecheckt habe und das bei einem 48-jährigen Chemohirn 🙂 Hab auch schon die wichtigsten Umrechnungs-Apps heruntergeladen und erfreue mich bester Gesundheit. Nicht, dass ich mich krank gefühlt hätte, ich hatte einfach keine Symptome und die, die ich hatte, schoben wir alle auf die Chemotherapie. Ununterbrochene Müdigkeit, Schlappheit, Muskel- und Kraftverlust in den Beinen, etc. Nach der Trinkmenge konnten wir bei mir nicht gehen, ich habe immer schon mindestens 4 l/Tag getrunken, daher war das kein Referenzsymptom, auch das häufige Pfützi-machen nicht.

Nun habe ich eben 2 Schwerpunkte, nach denen ich mich richten muss. Begeistert bin ich über keinen von den beiden, aber wie gesagt: man bekommt nur das, was man ertragen kann!

In diesem Sinne – bis bald, ihr Lieben Leser!

An alle Engel da draußen…

Der Mensch glaubt, aber woran? Jedenfalls ich glaube an eine höhere Macht, an jemanden, der im Leben die Fäden zieht, sodass ich dort gelandet bin, wo ich hätte landen sollen. Und ich glaube, dass dies auch bei anderen Menschen so ist. Wieso sonst hätten wir soviele Engel? Ich glaube, dass jeder Mensch eine Bestimmung hat und wenn diese erfüllt ist, muss er gehen, egal wie jung, egal wie gesund oder krank. Und niemand bekommt mehr aufgebürdet, als er tragen kann.

Machen mich all die zwei- und vierbeinigen Engel traurig? Ja, denn sie hinterlassen Lücken, die nicht zu füllen sind. Wobei meine Einstellung ist, dass diejenigen, die Engel sind, es am besten haben, denn sie haben es hinter sich, lediglich die Hinterbliebenen leiden  und trauern.

An alle Engel da draußen, ich verstehe nicht, warum ihr so früh gehen musstet, aber ich akzeptiere es und nehme es an. Nein, ich glaube nicht an Engel, ich weiß, dass mit dem Tod alles vorüber ist, aber dennoch tut der Gedanke, dass ihr alle in einer besseren Welt seid, gut. Wünscht man sich das nicht für sich selbst auch? Dass das Leiden, welches irgendwann unweigerlich beginnt, ein Ende haben möge und man erlöst ist von all den Sorgen, Schmerzen und dem Warten auf das Ende?

Nein, ich bin heute nicht depressiver als sonst, lediglich ein wenig melancholisch und nachdenklich. Oft frage ich mich, was denn meine Bestimmung, meine Aufgabe sei und wann ich sie erfüllt habe, aber dies weiß niemand. Weh tut es nur, wenn Menschen, die man ins Herz geschlossen hat, gehen müssen. Wäre es da nicht am besten, keine Freundschaften zu schließen, denn dann muss man nicht trauern? Nein, denn Freundschaften, vor allem unter Gleichgesinnten, sind wichtig, sehr wichtig sogar. Wichtig für die Psyche, die Lebensfreude und die Hoffnung.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ab und zu frage ich mich, wozu es die Spezies Mensch überhaupt gibt. Warum bzw. wofür existieren wir? Welche Aufgaben haben wir, warum sind wir so wie wir sind? Aber das geht ins Unendliche, ganze Bücher könnte man nur mit solchen Gedanken schreiben.

Und nachdem ich heute, an diesem schönen Sonntag, ebenso wenig wie an allen anderen Tagen meines Lebens, keine Antwort finden werde, mache ich das, was ich immer mache. Mein Leben, so klein und überschaubar es auch ist, weiterleben.

Auch Galgenhumor muss sein

So, jetzt mal was Ätzendes, aber auch solche Sachen gehören dazu!

Wie nimmt man am besten rasch ab? Man fange sich vor 10 Jahren Brustkrebs ein, höre sich an, dass es das dann war nach den OP’s und so und man nie wieder damit zu tun haben wird, nur, damit man 2013 wegen eines Rezidivs unter’s Messer muss. Und nur, dass man 2016 dann hört, dass man nun Metastasen hat und – sorry – wir uns geirrt haben.

Dann lasse man sich auf Chemotherapien ein und warte einfach mal 1,5 Jahre ab. Spätestens dann tritt Appetitlosigkeit auf, Ekel vor Essen und Resignation. Man verliere 4 kg in 5 Tagen und höre sich dann die mahnenden Worte der Onkologin an, dass man ja nicht zu wenig essen dürfe und immer schauen möge, sich nachhaltig zu ernähren.

Billig ist’s jedenfalls, man geht wenig einkaufen, kocht kaum mehr was (energiesparend), schläft viel (Sparen an Heizungskosten) und stellt auch sonst nix an, weil’s einem eher ned so gut geht.

Aber – dafür darf ich leben!

Jaja, ich weiß, a bissi undankbar und nicht gerade demütig, aber auch solche Phasen müssen sein.

Und jetzt die Frage des Tages: was esse ich heute, wenn ich doch nicht mag?!

Ich möchte in Erinnerung bleiben

Das letzte Jahr hatte es bezüglich Todesfälle in nahen und fernen Umfeld wirklich in sich! Manchmal, so ganz plötzlich aus dem Nichts heraus, fällt mir dann der eine oder andere Verstorbene ein und ich verliere mich in Gedanken…. Wo wäre er oder sie jetzt, wenn er oder sie noch am Leben wäre? Wie würde es weitergehen? Vor allem aber frage ich mich, wie man den Verstorbenen in vielen Jahren gedenken wird. Gedenkt man ihnen überhaupt noch und was bleibt zurück von Ihnen? Wissen sie, dass es Menschen gibt, die ihrer intensiv und oft gedenken, würden sie sich darüber freuen oder sogar wundenr?

Und was ist naheliegender, als dass ich diese Gedanken dann auf mich projiziere. Immer öfter frage ich mich, ob man sich an mich wird erinnern. Und wenn ja, warum.

Wer den Film „Schindlers Liste“ bis zum Ende gesehen hat, wird verstehen, wenn ich sage, dass diese Gedanken bei mir bereits vor mehr als 24 Jahren auftauchten, als am Ende des Films die reellen Überlebenden, gemeinsam mit ihren Filmdarstellern, Steine auf sein Grab zum Gedenken legten. Damals dachte ich mir: „Und wenn auf meinem Grab nur ein einziger Stein liegt, dann war mein Leben lebenswert!“ Heute, über 20 J. später, denke ich darüber hinaus, dass es außer Steinen doch noch was geben muss…

Was habe ich, aus meiner Sicht gesehen, geleistet im Leben oder bewirkt, weshalb man sich an mich erinnern könnte:

  1. Langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Rettungsdienst sowie Abhalten von Kursen, etc. – die werden mich alle nie vergessen! 🙂
  2. Über 12 J. Nebenjob in einer Privatordination – die Patienten fragen nach mir, wenn ich nicht da bin oder rufen mich an, ob eh alles in Ordnung ist – ich denke, auch hier werde ich unvergessen sein.
  3. In meinem jetzigen Hauptjob in einem Krankenhaus konnte ich jedoch am meisten bewirken und bin stolz darauf: ich reichte vor vielen Jahren einen Vorschlag für die Gründung eines „Trauer-Cafe’s“ ein. Aus dem Vorschlag wurde ein Projekt und letztendlich wurde vor ca. 4,5 Jahren gestartet damit. Das Trauer-Cafe gibt es heute noch und ich hoffe, dass man es immer mit meinem Namen in Zusammenhang bringen wird. Auch viele andere Dinge wurden umgesetzt und bleiben dauerhaft, das freut mich.
  4. Und last but noch least habe ich einen kleinen, aber feinen engen Freundeskreis, der – so hoffe ich – sich immer meiner erinnern wird.

Da mein Körper der Anatomie gehört, wird es kein Grab geben, nur eine Seelenmesse, also keine Möglichkeit, Steine auf einem Grab zu hinterlegen. Aber ich bin überzeugt davon, dass die Menschen, die mir etwas hinterlassen wollen, eine Möglichkeit finden werden, „Steine“ zu hinterlegen. Ich glaube, mein Mann wird sich mit der Nicht-Existenz eines Grabes ein wenig schwer tun, aber er kann sich ja aus meine persönlichen Sachen seine eigenen Erinnerungen schaffen und bewahren, wenn er möchte.

Ab und zu überlege ich mir, was man über mich sagen würde: sie war ein guter Mensch, hat immer anderen geholfen, ohne auf sich selbst zu schauen / sie konnte selten „nein“ sagen / sie war kreativ und querdenkend, innovativ und einsatzfreudig / sie war ein Mensch, der nach außen hin offen war, jedoch selten jemanden ins wahre Innere sehen ließ / je älter sie wurde, desto schwieriger und introvertierter / usw., usf. Gerne wäre ich dann dabei und würde zuhören…. An sich habe ich ein sehr gutes Gefühl für mein Eigen- und Fremdbild, dennoch denke ich, dass ich vielleicht bei der einen oder anderen Aussage überrascht wäre….

Whatever, ich werde es nie erfahren! Ich wünsche mir nur, in Erinnerung zu bleiben, das ist mir sehr wichtig!

 

Einfach mal darüber reden!

Manche von euch werden sich denken, dass ich mit meiner Erkrankung nicht so an die Öffentlichkeit gehen sollte und nicht darüber bloggen, andere wiederum bestärken mich darin durch PN’s oder Mails. Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann…

Aber heute werde ich bloggen!

Der Anlass ist schön und traurig zugleich. Vor vielen Jahren, ich glaube, es sind sogar schon 10 oder 11 Jahre, hatte ich einen Kollegen, der damals auch schon vom Schicksal gebeutelt war. Mit den Jahren verloren wir uns aus den Augen, um uns in FB wieder zu „treffen“. Mittlerweilen sind wir beide durch Krebs betroffen und haben Prognosen, die uns die Endlichkeit erahnen lassen.

Heute hat sich kurzfristig die Gelegenheit auf einen gemeinsamen Kaffee ergeben und ich muss sagen, dass mir alle Gespräche mit Nicht-Betroffenen im letzten Jahr nicht soviel so viel Auftrieb, Fröhlichkeit und Akzeptanz gebracht haben, wie die 45 min., die wir geratscht haben. Sorry, friends!

Nur ein Betroffener, ein Gleichgesinnter, ein Leidensgenosse, wie man auch immer sagen möchte, versteht und TEILT meine Gedanken über Schmerzen, Therapie, Gewicht, Bestrahlung, Chemo, Haarverlust, Appetitlosigkeit, Prognose, Ängste, Galgenhumor, sozialen Rückzug, Verdrängung, Aggression, Hoffnungslosigkeit, Demut, Dankbarkeit und Endlichkeit.

Wozu brauch ich meine Psychologin, wenn ich doch Gleichgesinnte habe! Das ist ähnlich, wie wenn sich zwei fachkompetente Spezialisten treffen und fachsimpeln, nur die zwei wissen wirklich, wovon sie reden und sind happy, endlich richtige Gesprächspartner zu haben. Genau so ging es uns!

Mein Freund, der du das heute sicher lesen wirst, es hat mich sehr gefreut und schreit eindeutig nach Wiederholung! Danke für die schöne Zeit, ich habe es sehr genossen!

10 Jahre später….

Zuerst mal gleich: es geht mir gut! Ich bin nur grad ein bisschen nostalgisch….. Vielleicht, weil mir heute Fragen gestellt wurden, deren Antwort ich kenne, die ich jedoch gerne verdränge. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Was hat sich seit 10.10.2008, dem Datum der Erstdiagnose, verändert. Tja, was hat sich wirklich verändert? Alles! Mein ganzes Leben! Oft frage ich mich, wo ich heute wäre, wenn dies alles nicht passiert wäre. Missversteht mich nicht, ich möchte die Zeit nicht zurückdrehen, keinesfalls, ich finde, dass mich die letzten 10 Jahre reich an Erfahrung und vielen anderen Dingen gemacht hat. Nein, ich möchte meine Erkrankung auch nicht missen. Aber – Anmerkung – waren die Metastasen denn wirklich nötig? Naja, darauf werde ich logischerweise keine Antwort bekommen.

Aber ich verzettel mich schon wieder. Was haben mir die letzten 10 Jahre gebracht: einen neuen Job, den ich wirklich liebe in einem Team, dem ich mich zugehörig fühle mit Kolleginnen, die ich sehr schätze und mag, denen ich vertraue, die mir Kraft geben und mich auch auffangen.

Die Heirat mit dem besten Mann der Welt und Umzug mit ihm in ein anderes Bundesland. Die Aufnahme eines entzückenden Entlebucher Sennenhundes in unser Leben, der mein Ein und Alles geworden ist (jaja, ich weiß, ich sagte immer, ich sei ein Katzenmensch, mittlerweilen bin ich beides geworden!).

Und jetzt merke ich, wie ich in den letzten Wochen sehr in der Vergangenheit behaftet bin, immer mehr darin versinke. Ich suche alte Schulfreunde, ehemalige Kollegen, Kindheitsfreunde, etc. im Internet, kontaktiere sie und freue mich riesig über Rückmeldungen! Ich möchte wissen, wie deren Leben verlaufen ist, was aus ihnen geworden ist, wohin es sie verschlagen hat. Gerne würde ich ausgesuchte Menschen wieder treffen, ihnen zuhören, sie ansehen und mich der Vergangenheit erfreuen.

Ab und zu möchte ich dadurch der Gegenwart entfliehen, möchte Worte, die ich mich nicht traute, zu sagen, endlich aussprechen, Diskussionen, die nie beendet wurden, fertigführen und Verletzungen und Kränkungen, die ich anderen zugefügt habe, lindern durch Entschuldigungen.

Gerade jetzt fiel mir ein, ich könnte eine Liste all derer Menschen machen, die ich gerne treffen würde aus meiner Vergangenheit. Uije, ich glaub, das lass ich bleiben. Ich hab zwar viel Papier daheim, aber ob das reichen würde? Ich merke, es sammelt sich viel an im Laufe eines Lebens. Manche Menschen verschwinden einfach, entgleiten einem und sind auf einmal weg, andere gewinnt man dazu und findet Freunde, wo man nie damit gerechnet hätte.

Hm, wenn ich mir meinen Beitrag jetzt grad mal so durchlesen, klingt das sehr nach Wehmut…..

Ich hab einfach zu viel zu sagen und zu viele Gedanken, die ich zu Papier bringen möchte, aber da schlaft ihr mir alle ein, das geht gar nicht 🙂

Nun denn, ich werde diesen chaotischen Blogbeitrag mal beenden, bevor ich noch mehr Mist zu Papier bringe 🙂

Bis demnächst, hoffentlich mit geordneteren Gedanken!

Eure verwirrte Christa

Müde….

Ich bin so müde, körperlich und geistig! Trotz 11 Stunden Schlaf schleppe ich mich heute durch die Gegend, jeder Schritt ist mühsam und anstrengend. Die Augen offenhalten ist heute eine wahre Herausforderung und die Schatten unter den Augen machen mich auch nicht unbedingt hübscher. Das schöne Chemo-Hautkolorit mit mächtig reduzierten Augenbrauen und fast durchsichtigen Wimpern pimpt mein Äußeres natürlich auch nicht grad auf. Ist immer fein, wenn einem die Kollegen über den Gang zurufen „OMG, wie schaust denn du aus, ist alles in Ordnung??“ Nein, ich könnte auf der Stelle einschlafen, gebt mir ein freies Bett, wo grad kein Patient drin liegt. „Aber natürlich geht’s mir gut, danke der Nachfrage, bin nur ein wenig schlapp heute!“ – Die Untertreibung des jungen Jahres!

Immer müder werde ich, mein Schlafbedürfnis hat sich in den letzten Wochen vervielfacht, kaum, dass ich es abends bis 19.00 Uhr schaffe, munter zu bleiben. Schlaf ist erholsam, das kann ich jetzt bestätigen, dennoch war heute die erste Nacht, wo ich wie gerädert aufgestanden bin.

Mein Hobby, das Häkeln und Stricken, wird vernachlässigt, da mir nach wenigen Maschen schon die Augen zufallen, die Arme schwer werden und die Konzentration gegen Null gesunken ist.

Habe gerade das Gefühl, mein Leben spielt sich nur noch im Rhythmus Arbeiten-Schlafen ab, alles andere daneben gibt es nicht mehr. Schade, denn mir fehlt meine Häkel- bzw. Strick-Erholung, auf die ich immer angewiesener bin. Ich verschlafe noch den kläglichen Rest meines Lebens!

Aber dafür habe ich keine Schmerzen, es geht mir körperlich eigentlich gut, lediglich die Psyche ist jetzt in der dunklen Jahreszeit ein wenig angekratzt und deformiert.

Und ja, ich bin es auch müde, seit 20.10.2016 Chemotherapie zu erhalten, das geht schon über 1 Jahr jetzt so und weiter und weiter und weiter,…… Trotzdem bin ich dankbar, dass ich die jetzige CHT so gut vertrage, sehr anstrengende Nebenwirkungen, die ich bei anderen CHT’s hatte, bleiben mir hier erspart. Also bin ich müde-dankbar, müde-demütig und müde-erschöpft….

 

Wenn Wunder geschehen….

Was ist ein Wunder für mich? Ein Wunder ist das, was heute geschehen ist!

Ich laufe nun mit meiner Diagnose seit 2008 herum, seit 2016 mit „Mietnomaden“ und bekomme seit 1 Jahr Chemotherapie.

In dieser Situation ist man sehr glücklich, wenn man bei der 3-monatigen Kontrolle hört, dass alles stillsteht, nichts Neues hinzugekommen ist oder gar noch schlimmer, dass sich die Lage verschlimmert hätte.

Man wird demütig, geduldig, wartet einfach den nächsten negativen Befund ab, man wird phlegmatisch und nimmts „leicht“, man hat ja eh damit gerechnet. Als palliative Patientin weiß man ja über seine Prognose Bescheid und dass die Chemo lediglich lebensverlängernd ist und für eine gute Lebensqualität sorgen soll. Man ist fast nicht mehr nervös, nur mehr ein klein wenig innerlich, das Umfeld kriegt es kaum mit.

Ich weiß nicht warum, aber diesmal hatte ich echt Angst, fast schon Panik, Albträume, Unkonzentriertheit und Nervosität sowie Reizbarkeit. Gott sei Dank fand ich den Mut, dies den Ärzten gegenüber zu äußern, sodass man für heute rasch die Kontrolle vorzog.

Durchfall, Übelkeit, Kreislaufprobleme, Appetitlosigkeit….. so ist es, wenn ich Angst habe und die hatte ich heute natürlich überhaupt. Da wird alles ausgeblendet, es zählt nur das Hier und Jetzt, kein morgen, kein Weihnachten, gar nix.

Dann endlich die Untersuchung, zack, rasch vorbei, alles gut gegangen. Wann darf ich anklopfen wegen der Diagnose? In 1 Stunde? Ist ok, ich lenke mich ab.

Tja, und dann mein ganz persönliches Weihnachtswunder: die Tür geht auf, mein Radiologe kommt mir entgegen. Er hält ein Blatt Papier in der Hand, auf das er einen Smiley gemalt hat und – er grinst über das ganze Gesicht! Er redet mit mir und ich höre nur „Rückgang der Pleurakarzinose“ und „die suspekten Lymphknoten sind auch ein wenig geschrumpft“!

Wie jetzt, WENIGER????? Schon über Stillstand wäre ich vor Freude im Quadrat gehüpft, aber DAMIT hatte ich nie gerechnet. Nie im Traum hätte ich damit gerechnet, dass die Metastasen kleiner werden können, das stand auch nie zur Debatte. Im günstigsten Fall war immer nur die Rede von „Stillstand“.

Und somit fiel ich dem Radiologen und hernach noch einigen Kollegen vor Freude und dann auch heulend um den Hals. Ich wäre fast mit dem liegenden Port-a-Cath nach Hause gefahren vor Freude.

Was aber auch noch wunderschön ist, ist, dass sich so viele Menschen mit mir gefreut haben! Das rührt mich und zeigt mir, dass auch mein Umfeld betroffen oder überrascht ist über meine Untersuchungen. Danke an euch alle!

Und jetzt suche ich mir einen guten Wein aus dem Kühlschrank aus und genieße ein Gläschen, ich stoße auf mich selbst an und am Dienstag geht der Kampf weiter mit der Chemo.

Ein gutes Gefühl…

Es ist ein gutes Gefühl, sich an einem heißen Urlaubstag duschen zu können.

Es ist ein gutes Gefühl, sich in seinem Körper wohl zu fühlen.

Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man einen gesicherten Job und ein geregeltes Einkommen hat.

Es ist ein gutes Gefühl, Schneeflocken nachzujagen und sich wie ein Kind zu fühlen.

Es ist aber auch ein gutes Gefühl, wenn man sozusagen „seine Angelegenheiten geregelt“ hat. Was ich damit meine? Ganz einfach: irgendwann…. wird es mich nicht mehr geben und ich bin beruhigt, jetzt „die Fronten“ geklärt zu haben. Ich habe geregelt, was ich mir wünsche, was wer macht und das beruhigt mich und gibt mir ein gutes Gefühl.

Leute, auch wenn ihr noch jung seid, denkt daran, ein Autounfall ist gleich geschehen oder der berühmte Stein am Schädel. Macht eine Liste, wer informiert werden soll, wer was bekommt und wen ihr worum bittet. Glaubt mir, es ist ein gutes Gefühl…..

 

Viel zu früh gegangen…

Irgendwie reisst es im Moment nicht ab…. Ich könne auf Facebook mein Titelbild permanent mit einer schwarzen Schleife bestücken, leider wäre dies fast durchgehend passend.

Was mich selbst betrifft, so habe ich noch nie die Frage nach dem „warum“ gestellt, doch wenn uns der Verlust von Freunden so unerwartet, plötzlich und unangekündigt trifft, dann steht diese Frage ganz groß im Raum.

Ich möchte nicht veröffentlichen, was genau passiert ist, ich möchte nur sagen, dass ich heute – für mich subjektiv aus dem Nichts heraus – erfahren habe, dass ein ganz, ganz lieber, warmherziger, mir wichtig gewordener Mensch im Alter von nur 49 Jahren sein Leben verloren hat. Nein, es war nicht Krebs, es war kein Unfall, es war ….. Schicksal? Warum müssen die Guten so zeitig gehen? Er war kein sehr enger Freund im eigentlichen Sinne, aber wir kannten uns schon mehr als 12 Jahre, so manche guten Gespräche gab es, man wird sich vertraut, wenn man sich lange kennt. Ich habe Unterstützung erfahren, wo ich sie nicht vermutet hatte. Erst eine Weile vor seinem Ableben konnten wir uns noch sehen und nichts hat darauf hingedeutet, ach, es ist so unfair!

Ich werde mich jetzt verkriechen gehen, kein Telefon heute mehr abheben, keine Nachrichten oder Beiträge heute mehr veröffentlichen oder kommentieren. Der heutige Abend gehört dem Verlust dieses Menschen, dessen Tod mich sehr tief getroffen hat. Und irgendwie hab ich mir heute schon mehrfach gedacht, dass es schade ist, dass die Verstorbenen nie mehr miterleben können, wie sehr jemand um sie trauert, wie sehr ihr Verlust schmerzt und wie groß die Lücke ist, die sie hinterlassen.

Zeit miteinander verbringen

Ich habe erst neulich etwas zugeschickt bekommen, in dem es darum ging, dass einen die Kinder, Ehemänner, Familie, etc. im Laufe des Lebens alleine lassen können aus den unterschiedlichsten Gründen, aber Freunde sollten bleiben bis zum Ende.

Auch habe ich immer wieder erlebt, dass sich Freunde herauskristallisieren, von denen man dies nie erwartet hätte. Andere machen sich aus dem Staub, mal lauter, mal leiser, dies kann weh tun, oder nicht.

Aber von den Freunden, die man hat, sollte man sich nicht abwenden, sondern sich diesen zuwenden, man hat nur diese einen, die sich ins Herz gestohlen haben.

Und es gibt Freunde, die eher Schicksalsgefährten sind, aber dennoch sehr wichtig geworden sind. Und von einem Mix all dieser Freundschaften – und ich gehe davon aus, dass sie es tief innen sind bzw. geworden sind – möchte ich ganz kurz einen Denkanstoß weitergeben.

Nur soviel dazu: da sitz ich auf der Couch, wohl wissend, dass dieser Freund ebenso wie ich kämpft, nur sind es bei ihm andere Zelltypen. So wie ich lächelt er meistens. So wie ich gehen wir von einer Endlichkeit aus, die dennoch die HOffnung auf Überleben in sich trägt. Also, ich sitz auf der Couch und erhalte eine SMS von ihm, dass ihm nun keine Therapieoptionen mehr zur Verfügung stehen, nur mehr Schmerztherapie. Er bringt jetzt seine Sachen ins Reine. Stonk, ein Schlag in meine Magengrube.

Ich werde mir nächste Woche frei nehmen, einen Urlaubstag, wenn möglich vom Job her und mich bei mir mit ihm zusammensetzen. Am meisten freue ich mich auf das gemeinsame Schweigen. Ja, klingt komisch, aber in unserer Situation ist oft Schweigen das einzig Heilsame, Wohltuende. Wir brauchen keine beschönigenden Worte, wir brauchen keine Aufmunterung, auch Zuspruch ist fehl am Platz. Was wir brauchen, ist ein Gemeinsam. Berichten, wie es soweit kam, nur die Tatsachen, Realitäten. Und es wird gut sein.

Dennoch tut es weh!

Die Nacht danach…

Also ich kann’s euch sagen, die Nacht nach einer CHT ist immer a bissi unlustig. Zuerst mal die Heißhungerattacken (ja, ja, der Kühlschrank wird schon 1 Tag davor gut gefüllt), dann die Unruhe, die Wallungen, das alles gipfelt in der absoluten Schlaflosigkeit. Es ist gerade 03:05 Uhr und ich habe auch heute wieder alles versucht. Fernsehen bis zum Umfallen (dabei waren heute echt spannende Dokus). Beim ersten Anzeichen von mir-fallen-jetzt-die-Augen zu meldet sich natürlich die Blase, die genau das verbietet. Also aufstehen, Bedürfnis nachgehen, wieder hinlegen und die nächsten 2 Dokus angucken. Dann das gleiche Spiel von vorne. Irgendwann bin ich ins Bett übersiedelt von der Couchn, nur, um festzustellen, dass mir einfällt, dass ich seit Langem schon was suchen muss und ich ja eigentlich eh munter bin. Gefunden hab ich’s nicht (keine Ahnung wo, dabei hatte ich mir vor einigen Wochen noch gedacht, dass ich das, was ich suche, sicher wieder „dort, weil da finde ich es garantiert sofort“ untergebracht habe, was natürlich nicht funktioniert hat), dafür weiß ich jetzt, dass ich, wenn echt mal mieses Wetter ist, alle Regale gründlich ausmisten muss, da ist schon soviel Klumpert drin, das geht ja gar nicht.

Jetzt sitze ich hier, bin putzmunter, habe den Kaffee, den ich mir gemacht habe (auch schon wurscht) grad genossen und werde jetzt überlegen, was ich mit dem frühen Tagesanfang machen könnte. Mit Bennie Gassi gehen? Nein, der wird mir jetzt was pfeifen, außerdem liegt er im Tiefschlaf und sägt ganze Wälder nieder. Die Coonies fühlen sich auch wieder in ihrer Nachtruhe gestört, ich werde mit bösen Blicken bedacht.

Tja, so werde ich den Tagesbeginn eben ruhig verbringen, vielleicht kippe ich ja dann doch irgendwann mal weg…..

Ich versuche zu lesen bitte…

Heute kommt mal nichts Hochgeistiges, sondern einfach ein bissi „Grant“ rüber. Ich möcht ja nicht behaupten, dass ich die Zeit, während der die Chemo reinrinnt, genieße, aber es kommt doch knapp dran heran. Das ist Zeit, die ich mit einem guten Buch am Kindle verbringen kann (könnte).

Jetzt stell ich mal in den Raum: wenn ihr einen Menschen vor/neben euch seht, der offensichtlich tief in ein Buch verstrickt ist und mit hoher Konzentration liest, würdet ihr den im Minutentakt ansprechen mit „Tschuldigung, aber eine Frage habe ich noch….“? Würdet ihr das tun, wenn ihr dann knappe Antworten wie „ja“ oder „nein“ erhaltet und der Mensch nach der knappen Antwort sofort wieder seine Nase in sein Buch steckt? Würdet ihr echt noch weiter stören? Also ich würde das nicht tun…

Aaaaber, es gibt offenbar doch noch Menschen ohne Empathie…. Soviel zu meiner heutigen Chemozeit. *groll* *grummel*

„Der schwarze See“ bzw. „Die Nebel von Caelyx“

Blinzeln, ein Auge aufmachen, probeweise. Nichts tut sich, Stille im Morgengrauen. Das zweite Auge versuchsweise aufmachen. Und schon ist es zu spät: eine sanfte Hundeschnauze gräbt sich in meine Nase, während eine dicke Hundepfote auf meinem Port-a-Cath herumdrückt und mir damit zeigt, dass es schön ist, dass ich endlich munter bin. Hunger und Pfützi-Notwendigkeit, ich verstehe. Uff, auweia, Schmerzen im 5. ICR re., die sich rasch über den ganzen Thorax ausbreiten. Ah, Guten Morgen Usher, hallo Nils, guckuck Gini – meine Maine Coons sind also auch schon munter und verlangen nach Aufmerksamkeit und Futter.
Also gut, ihr Lieben, Mama steht ja schon auf. Kacheln putzen, Medikamente nehmen, selbst Pfützi gehen, dann alle Vierpföter füttern. Kaffee machen, den Laptop starten und schon die ersten Gedanken an den kommenden Urlaubstag machen. Einkaufen, Wolle gucken gehen, mit der Nachbarin ein Plauscherl halten, ein bissi mit Freundinnen in Whatsapp oder über den FB-Messenger schreiben. Vielleicht eine neue Serie anfangen, auf der Couch chillen und das Buch fertig lesen, das seit dem letzten Urlaub herumliegt. Das klingt alles supertoll und echt entspannend!

Wie jetzt, ihr glaubt, das läuft wirklich so ab? Leider nein.

Vielmehr ist es, als würde ich in einem dunklen, schwarzen See schwimmen. Ein See voll Zeit, die nicht vergeht. Ein See voll düsterer Gedanken, wabbernden Nebels und trübsinniger Stimmung. Nebel, durch den ich nicht dringen kann. Nebel, den ich nicht mit Licht und Sonne verdrängen kann, nur durch Schlaf. Schlaf, der viele Stunden gnädig ist und Zeit verfließen lässt, dennoch nicht Zeit genug. Nebel, der voll ist mit Angst zu ersticken an festen Speisen. Dunkelheit, die gefüllt ist mit Resignation und Trübsinn. Undurchdringliche Tiefe, die keinen Grund zu haben scheint, kein Ankommen und Beenden. Schwärze, die Einsamkeit und Verlorensein in sich trägt. Fragen, die nicht beantwortet werden können, Gedanken, die sich verlieren und nicht zu stoppen sind. Freundschaften, die unerreichbar scheinen, Gefühle, die man nicht haben möchte. Doch eines stellt sich nie – die Frage nach dem „warum“.

Und dann, ganz langsam, für andere unsichtbar, für mich jedoch ein neues Lebensgefühl – es lichtet sich der Nebel, hier, sieh! Normalität stellt sich ein, Schmerzen verschwinden ganz leise, nur mehr als Hauch spürbar. Die Gedanken werden farbenfroher.

Bis demnächst sie wieder kommen… die Nebel von Caelyx.

Mit Erlaubnis geklaut…

 

Ich möchte nun einen Beitrag von einer Bekannten aus einem sozialen Medium mit euch teilen. Ja, ich habe ihre Erlaubnis nachweisbar dazu eingeholt. Ich verändere ihren Text in keinster Form, da er – bis auf persönliche Daten und Details wie Anzahl der Chemos, etc. – meine Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse sowie Wünsche bis zu 99% wiederspiegelt. Ich hätte es nie besser in Worte fassen können.

Zu oft schon hörte ich in den letzten Jahren „aber das oder das, das teilst jetzt aber ned in Facebook, oder?“… Dabei hätte ich es gerne getan! Warum? Weil ich glaube, dass ihr alle eigentlich gar nicht wirklich wisst, wie es mir geht. Wollt ihr es denn wissen?

Aber nur zu, lest und staunt…..

Originaltext

Tag 1 nach Chemotherapie Nummer 6. Ich bin jetzt im 7. Jahr krank. Schwerkrank. Es ist noch nicht so lange her, da war meine Einstellung, nichts über die Schwere meiner Krankheit hier bei Facebook in meine Chronik zu schreiben. Ich wollte mich schützen, meine Familie und Freunde. Zum Ausheulen hatte ich ja meine ebenfalls betroffenen Busenschwestern. Nur ein ebenfalls Betroffener kann nachempfinden was man durchmachen muss, wie gross mein Leid, meine Ängste und meine Schmerzen sind. Sowohl seelisch wie auch körperlich. So war meine Einstellung. Immer schön stark sein und nicht so viel jammern. Was ich nicht bedacht habe ist, dass ich dadurch etwas Wichtiges aus meinem Leben ausschließe, etwas, was überlebenswichtig ist. Je mehr ich stark wirke und je weniger ich den Menschen außerhalb der Gruppen preis gebe, desto einsamer bin ich im „Kampf“ gegen den Krebs. So bleibt es vom Anfang bis zum Ende immer nur „mein“ Krebs. Aber ich brauche Zuwendung, Trost, Mitgefühl. Menschen und Freunde, die ihre eigenen Probleme mal zurückstellen und mir neue Kraft geben. Für die neue Therapie, die ich gerade begonnen habe. Fast 7 Jahre, lange schwere Jahre, Auseinandersetzung mit einer am Ende doch tödlichen Krankheit, das ist eine harte Aufgabe. Ich höre oft, „du siehst aber gut aus, gesund, wie das blühende Leben!“ Dieser Satz ist so schnell gesagt und nimmt die Menschen aus der Verantwortung, mal genauer bei mir nachzufragen. „Sag mal, wie geht es dir denn wirklich? Hast du Schmerzen, wie kommst du damit klar, deinen Mann und deine Kinder allein zu lassen? Bestimmt würdest du gerne noch länger leben. Brauchst du Hilfe, kann ich etwas für dich tun?“ Es gibt nichts Schlimmeres für jemanden der sterben muss, zu hören, „du siehst aber gut aus!“ So als wäre der Krebs, mein Krebs, gar nicht so schlimm, gar nicht so bedrohlich. Ich komme mir vor als müsste ich die Krankheit verteidigen damit man mir überhaupt glaubt, das ich sie habe. Wo ich doch auch noch auf Reisen bin. Aber was immer als der super Urlaub rüberkommt ist auch nur eine Momentaufnahme, das Festhalten eines Augenblicks. Was davor oder danach geschieht, sieht niemand. Als wir jünger und gesund waren, brachte kaum jemand Komplimente über die Lippen. Da gab es Machtkämpfe und Stutenbissigkeit. Heute dient der Satz „du siehst aber gut aus“ dem eigenen Schutz, um dem Krebskranken nicht zu nahe kommen zu müssen. Aber genau diese Nähe wünsche ich mir. Echtes Mitgefühl. Dass sich jemand Zeit für mich nimmt und mich besucht, so wie ich mein Leben lang keine Wege gescheut habe um mir wichtige Menschen zu besuchen. Die Zeit wird knapper. Es ist nicht mehr meine Aufgabe, andere zu schützen. Meine Aufgabe ist es, jetzt für mich zu sorgen. Denn ich werde sterben und nicht die anderen. Ich bin die, die ihr Leben verliert und auf diesem schweren Weg sollte man nicht allein gelassen werden. Auch wenn jeder eigene Probleme hat die Kraft kosten, wenn man gesund ist kann man alles schaffen. In letzter Zeit betrachte ich meine Umwelt sehr genau. Das geht wohl allen Menschen so, die sich mit dem eigenen Tod auseinandersetzen müssen. Ich sehe Missgunst, Verbitterung, Negativität, Materialismus, Besitzgier, Aggressivität und Selbstmitleid. Was mir fehlt, ist ein klares Bewusstsein und Demut für den wahren Reichtum des eigenen Lebens, Respekt vor der Schöpfung, Mitgefühl, Dankbarkeit und vor allem selbstlose Liebe. Nach dem Motto „Ich liebe dich weil es dich gibt und nicht weil du Das oder Jenes für mich tust. Weil du irgendwie für mich von Nutzen bist.“ Liebe ohne Erwartungshaltung. Nur das ist wahre Liebe. Liebe muss fließen. Stattdessen blockiert sie oft. Uns und auch unser Gegenüber. Und so verplempert man kostbare Zeit durch Missverständnisse. Zeit, die man nicht mehr nachholen kann. Und Stolz spielt auch eine Rolle. Falscher Stolz hat schon Menschen seelisch zugrunde gerichtet. Und am Ende stehen dann Freunde und Verwandte am Grab eines Verstorbenen und beklagen seinen Tod als wäre es ihr eigener, und seinen Verlust als ihr eigenes Schicksal und lassen sich bedauern und sie bekommen dann den Trost, den der Verstorbene sich zu Lebzeiten so gewünscht hat. Niemand fühlt mit dem Verstorbenen, dem bedauernswerten Opfer, das so tapfer war. An meinem Grab wünsche ich mir, dass man mich und mein verlorenes Leben betrauert und nicht das Schicksal meiner Freunde oder Angehörigen. Wenn sie die mir verbleibende Zeit noch nutzen, um Liebe zu leben gibt es für sie nichts zu betrauern. Schmerzhaft ist es, wenn man die Chance nicht genutzt hat als sie noch da war. Dieser Schmerz bleibt lebenslang. Das sind alles Gedanken, meine Lieben, die mir gerade durch den Kopf gehen an Tag 1 nach der 6. CHEMO. Ich sitze auf meiner neuen Terrasse, die mein Schatz extra für mich angelegt hat weil ich Sonne meiden muss während der Chemo. Meine Füsse in einem Fussbad zur Entgiftung und eine Tasse Jiaougulantee (der Tee der Unsterblichkeit) auf dem den Holztischchen. Daneben die Lektüre von „Leo Tolstoi, Der Tod des Iwan Iljitsch,“ der schwerkrank auf dem Sterbebett sein Leben noch einmal Revue passieren lässt und feststellen muss, dass er ein falsches Leben gelebt hat. Nicht seins, sondern ein fremdbestimmtes. Ist das nicht schrecklich? Nie etwas gewagt zu haben, aus Angst vor den Anderen? Aus Angst, nicht mehr geliebt zu werden wenn man ausbricht und eigene Wege geht? Der Mensch ist erpressbar. Der Wunsch nach Liebe und Zugehörigkeit macht uns unterwürfig. Wir verlieren unsere Identität. Mit diesen Gedanken sitze ich hier also in meinem „Schattendasein“ . Hier in dieser Ecke werde ich entspannen und Kraft schöpfen und Besuch empfangen. Die neue Chemo ist nicht so leicht wegzustecken . Ich hoffe, das CT im September zeigt einen Rückgang. Ich appelliere an eure Unterstützung. Ich will nicht mehr alles alleine tragen. Ich brauche euch alle. ❤ Auch wenn ich verdammt nochmal gar nicht todkrank aussehe . Ich glaube ich sehe so gut aus weil Gott meine innere Schönheit und Liebesfähigkeit, die manchen immer etwas unheimlich war, so richtig zum Vorschein bringt.


 

Und, durchgehalten und durchgelesen? Ich bin auf eure Reaktionen gespannt….. 🙂

Wenn der Bub Bauchweh hat…

Unser „Bub“, seines Zeichens „Bennie“, Entlebucher Sennenhund, 2,10 Jahre alt, hat mich heute um 1.00 Uhr aufgeweckt, weil er raus musste. Nachdem er normalerweise überhaupt nicht meldet, wenn er raus muss, eine Seltenheit also. Ich schlief nachher sofort wieder ein, um jedoch keine 5 min. später wieder geweckt zu werden, er musste wieder raus. Nun, seit dieser Zeit bin ich munter, mein Mann seit 45 min. ebenfalls. Der arme Bub verträgt offenbar die RFK (rohe Fleischknochen) nicht mehr. Er hat mehrfach erbrochen, Durchfall und ist unruhig, hat aber kein Bauchweh. Nachdem ich ihm das Enteroferm-Gel und das Paspertin zu früh gegeben hatte und alles wieder raus kam, bekam er gerade die 2. Portion Enteroferm, diesmal in die Schleimhäute geschmiert und der Magen ist außerdem eh schon leer.

Jetzt liegt der Bub endlich mal mehr als 30 sec. an einem Platz und ich hoffe, er schläft bald ein und morgen Früh ist alles gut. Tja, 2 Tage ungewürztes, gekochtes Hühnerfleisch mit ungewürztem Reis warten jetzt auf ihn, aber das hilft immer, danach ist alles wieder wie es vorher war.

Unsere „Kinder“, unsere Haustiere also…. Wir lieben sie, sorgen uns um sie und bleiben nächtens auf, wenn es ihnen nicht gut geht, fahren zum Arzt mit ihnen, etc. Wie echte Kinder, nur dass diese mittlerweilen aus dem Haus sind…. Mein Mann meinte vorhin „das ist ja wie bei den Kindern, da waren auch immer alle auf, wenn eines krank war“.

„Papa“ schaut jetzt fern, „Mama“ facebookt und bloggte, die Katzen waren auch ganz erstaunt, um 3.15 Uhr Futter zu bekommen und der einzige, der – hoffentlich – gleich schläft ist der Patient 🙂 Mein Magen mag zwar keinen Kaffee um diese Uhrzeit, dennoch hat er mir geschmeckt 🙂

An alle, die jetzt auch munter sind: ich hoffe, ihr habt nur harmlose Schlafstörungen. Solltet ihr auch krank sein, so wünsche ich euch allen baldige Besserung!

Schönen Urlaub!

…. und erhol dich gut! Hm, also, danke…. Aber wie geht das? Wie macht man das, „Erholung“? Das definiert sich für jeden Menschen offenbar anders.

Die Einen joggen, sprinten, laufen, rackern sich im Fitnesscenter ab oder suchen nur Hotels im Ausland, die mindestens ein paar Fitnessgeräte oder einen Outdoor-Fitnesspark haben.

Die Anderen – und da gehöre eindeutig ich dazu – genießen ihren Urlaub anders. Ich könnte stundenlang einfach nur irgendwo sein und ein gutes Buch lesen, einen Kaffee daneben und die unentbehrlichen Kippen. Egal, wie das Wetter ist, egal, ob drinnen oder draußen, im Café oder im Liegestuhl. Hauptsache lesen und meine Ruhe dabei haben.

Oder auf der Couch sitzen, die 366. Folge einer spannenden Serie sehen und dabei häkeln oder ein wenig dösen. Ein paar Spiele auf FB ausprobieren, endlich die neuen Steingutteller bei Amazon bestellen oder einfach gar nichts machen.

Aber auch davon hängt Erholung nicht ab, MEINE Erholung jedenfalls nicht. Erholung definiere ich als körperliches und geistiges Wohlbefinden, Entspannung in jeder Richtung, nur das tun, worauf ICH Lust habe und die anderen Menschen einmal ausblenden.

Ist mir das heuer gelungen? Ja, definitiv! Ich konnte so Begriffe wie „Chemotherapie, Nebenwirkungen oder Ähnliches“ komplett ausblenden, ohne was dafür tun zu müssen. Es geschah einfach und es war traumhaft.

Berlin kennenlernen, herumflanieren, sich selbst ein Geschenk machen. Die polnische Ostsee genießen, Land und Leute kennenlernen und gut essen. Am Meer im Sand sitzen, dem Göttergatten zusehen, wie er dem Hund begeistert ein ums andere Stöckchen ins Meer wirft und sich das vierpfötige Tricolormonster todesmutig in die Wellen stürzt. Ausschlafen, herumdösen, Kaffee trinken, gucken, was man sich ansehen will, Fähre fahren, etc.

Es war herrlich und es hallt nach, positiv natürlich! Wenn dann der monotone Alltag wieder beginnt, bin ich gut gerüstet. Ach, würde das doch nur immer funktionieren!

Eure „Irgendwann“

Ich und Ich

 

Heute möchte ich euch versuchen, zu erklären, was es auf sich hat mit meinem Ich. Dabei ist das gar nicht so einfach, denn ich habe festgestellt, es gibt mehrere Ich’s. Nein, nein, ich bin kein Fall für eine psychiatrische Anamnese oder so. Ok, ich glaube, das muss ich ausführen…

Da gibt’s einmal das eine Ich: Christa, mittlerweilen 47 Jahre jung, von harmonischer Natur, schon ein wenig gedämpft über die Jahre, jedoch grundsätzlich noch immer ich selbst. Ich gehe seit vielen Jahren arbeiten, gestalte meine Freizeit gerne gemütlich und finde nichts dabei, mich vom Leben weitertragen zu lassen. Ich fühle mich kerngesund, ein wenig übergewichtig, doch der Verlust von ein paar Kilos motiviert mich gerade. Sport ist nichts für mich und patschert bin ich auch, also keine gute Kombination. Aber ich fühle mich toll und lebe einfach weiter, zukunftsorientiert und optimistisch.

Und dann, dann gibt’s das andere Ich: die Christa, die genauso alt ist, jedoch deren Psyche sich immer mehr weigert, zu verstehen und zu akzeptieren, dass ich alle 3 Wochen für die Dauer der CHT-Nebenwirkungen ausgeknockt bin. Schwach, zittrig, klapprig, ängstlich, auch nur wenige Meter zu gehen wegen der Anstrengung und der Angst vor einem Sturz. Körperlich angegriffen durch Schmerzen, Schweißausbrüche, den Verlust des Geschmacks, einer leichten Übelkeit und überhaupt und außerdem mies beinand. Gedanken über schlechte Prognosen, Zukunftsverlust, Resignation und einfach nur „Mann, geht’s mir sch….“

Das ist doch irgendwie paranoid, oder? Zwei komplett verschiedene Leben in einem Körper, gesund und chron. krank, positiv und depremiert, zukunftsorientiert und verloren. Wie soll ich dem gesunden Geist erklären, dass der Körper eigentlich chron. krank ist und die Prognose nicht so prickelnd? Wie soll ich dem einen Ich in der Zeit ohne Nebenwirkungen erklären, dass das andere Ich nur darauf lauert, wieder für ein paar Tage die Oberhand zu gewinnen?

Irgendwann irgendwie….

Und dann trat ein Hund in unser Leben…

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Bennie im Alter von ca. 5 Monaten

 

Also an und für sich bin ich ein Katzenmensch, so dachte ich zumindest. Nach dem Tod meines Hauskaters „Quidam“ fühlte sich sein Bruder, der Erstgeborene „Leon“, alleine. Wir erfüllten uns den Wunsch nach unserer Katzenrasse und so zogen zwei Maine Coons bei uns ein: Usher, ein stattlicher Kater und Gini (Virginia), ein entzückendes Mädchen. Und weil man ja auch ganz spezielle Herzenswünsche hat, komplettierte Nils(i), ein weißer Traum von Maine Coon Kater, unser Quartett. Mittlerweile musste Leon am 8.1.2017 von uns gehen, sodass wir nur mehr die MC-Schwemme bei uns daheim haben.

Aber wie kamen wir eigentlich auf den Hund? Als wir noch in Wien lebten in einer alten Mietwohnung kam natürlich ein Hund nicht in Frage. Da sagten wir immer „sollen wir jemals in einem Haus im Grünen wohnen, dann kommt in der Pension ein Hund in unser Leben“. Träume, Gedankenspiele, nicht realistisch. So dachten wir.

Doch durch viel Glück konnten wir im Frühjahr 2013 ins Burgenland in einen entzückenden Bungalow übersiedeln. Unsere Katzen bekamen ein tolles Außengehege und sind Herrscher über eben dieses und das ganze Haus. Kein Hund, geht nicht, wir sind berufstätig, sind Pendler, arbeiten beide in Wien und mein Mann hat immer abenteuerliche Dienste. Und so ohne Backup im Sinne einer Hundesitterin geht das ja auch gar nicht.

Als wir dann jedoch im September 2014 auf Urlaub in Bad Hofgastein waren, kam das Thema Hund doch wieder zur Sprache. Geht nicht, die Voraussetzungen haben sich nicht geändert. Wir leben zwar im Grünen, sind aber beide berufstätig und haben kein Backup. Dennoch ließ uns 1 Abend und einen ganzen Tag das Thema nicht mehr los.

Tja, und letztendlich habe ich Folgendes realistisch entschieden: nach meinem Brustkrebs, ED 2008, war mir völlig klar, dass die Zeit des Stillstands nicht ewig dauern muss, sondern dass sich die Grunderkrankung irgendwann einmal in Form von einem zweiten Primärtumor oder einem Rezidiv oder sogar Metastasen zeigen kann. Und mir war klar, dass meine Lebenserwartung auch sonst deutlich verringerter ist, sodass es für mich immer fraglich war, ob ich meine Pension überhaupt erlebe. Und so fiel für mich persönlich die Entscheidung, dass ein Hund JETZT in unser Leben passt.

Also redeten wir eine ganze Nacht lang und entschieden uns, uns mal umzusehen. Am nächsten Tag rauchten der Laptop und beide Handies. Letztendlich wussten wir ja gar nicht mal, welche Rasse es sein sollte, wir wussten nur, dass der Hund mittelgroß sein muss, nicht größer, dass er familien-, kinder-, katzenfreundlich sein sollte, ein gutmütiges Gemüt haben sollte, intelligent, kein Jagdhund, kein direkt gezüchteter Wachhund und ob er ein Hütehund ist war uns damals ziemlich egal.

Letztendlich stieß ich auf eine Liste aller international anerkannten Hunderassen, machte es mir bequem und fing bei A an. Als ich sei S wie Sennehunde war, war ich schon ziemlich entmutig, hungrig und hatte Kopfweh. Eigentlich wollte ich diese Rubrik überspringen, tat dies aber dann doch nicht.

Und so erfuhr ich, dass es 4 Arten von Sennenhunden gibt: 1) der Große Berner, 2) der Berner, 3) der Appenzeller Sennenhund und 4) der Entlebucher Sennenhund. Auch von der Größe gehts von 1-4, der Entlebucher ist also der Kleinste der Sennenhunde. Die Bilder, die ich da sah, zauberten mir ein Lächeln aufs Gesicht, also ran an die Details. Oh, das klingt alles zu schön um wahr zu sein! Das könnte unsere Rasse sein! Ich suchte mich noch bis zum Z weiter, aber konnte die Auswahl nicht mehr toppen.

Gemeinsame Besprechung und Einigung auf diese Rasse. Nächster Schritt, wo finden wir Entlebucher. Dass diese Rasse sehr selten ist, wussten wir bereits. Also nach österr. Züchtern gesucht, alle durchtelefoniert und nur Absagen bekommen: wir züchten erst wieder in 2 Jahren; sie müssen mit bis zu 5 J. Wartezeit rechnen; nein, wir züchten nicht mehr; ja, wir haben einen Wurf, aber alle sind schon vergeben, etc…. Einfach deprimierend!

Dann nahm ich mir die deutsche Züchterliste und begann diese parallel mit Google Maps durchzusehen. Ganz im Süden von Deutland, als ich schon ziemlich ermutigt war, hatte ich auf einmal eine Dame am Apparat, die mir nicht nur sagte, dass sie gerade einen aktuellen Wurf hätte, sondern auch noch einen Buben und ein Mädchen frei. Und ja, wir können morgen, bevor wir wieder heimfahren, gerne den 4,5 Stunden Umweg nach Bayern machen und kurzfristig vorbeikommen. Juchuuu! Daumen halten!

Trotz versagender Navis und leerer Akkus fanden wir die Züchterin im tiefsten Bayern auf einem Bauernhof mit Pferden, Henderln, Katzen, Kühen, etc. In der großen Stube wuselten die Welpen herum, flankiert von den Tanten der Welpen, die uns – rassegemäß  wie beschrieben – misstrauisch musterten, bis sie nach 45 Min. beschlossen, wir seien harmlos und uns nur mehr ignorierten. So sahen wir in den Hündinnen unsere ersten ausgewachsenen Entlebucher. Unser Bauchgefühl tendierte zum Rüden, zumal ich auch gegen Hündinnen Vorbehalte verschiedenster Natur hatte. Tja, ohne Backup, ohne Hundesitter, ohne Allem entschieden wir uns vor Ort für den Rüden, Anzahlung wurde geleistet. In 5 Wochen können wir ihn holen, sollten aber bitte schon gegen 8.00-8.30 Uhr in der Früh bei der Züchterin sein, denn mit dem Rückweg (1 Strecke = fast 5 Stunden) kämen wir so rechtzeitig daheim an und der Kleine könne sich noch ein wenig bei Helligkeit orientieren.

Auf dem Rückweg wurde alles geplant: können wir unsere pensionierte Nachbarin gewinnen, ab und zu auf Bennie zu gucken -ja, wir konnten sie gewinnen, eindeutig, sie war ganz verliebt in die Welpenfotos, die ich ihr zeigte. Sie hatte früher Hunde, vermisst auch Hunde, möchte sich in ihrem Alter aber keine eigenen mehr zulegen und war sehr gerne bereit, Leihmama zu sein, bis heute 🙂

Wie kommen wir zu Backup-Hundesittern? http://www.betreut.at und 2x Euro 30,- lieferten mir eine Hundesitterin, die ich aber dann bis heute nicht mehr benötigte.

Und wie das Leben so spielt: als Bennie knapp 6 Monate alt war, ging am rückwärtigen Eingang unseres Grundstücks eine Dame mit einem noch nicht ausgewachsenen Magyar Vizsla vorbei. Die beiden Buben liebten sich auf den ersten Blick, dazu aber später mehr. Noch bin ich in dem Teil, wo Bennie noch bei der Züchterin ist.

Wie wir also alles organisiert hatten, das erste Spielzeug gekauft hatten, etc. war der wichtigste Teil das Auftreiben einer Trainerin. Ich wollte unbedingt ein ausführliches Beratungsgespräch mit einer erfahrenen Trainerin noch BEVOR die dicke Hundepfote den ersten Schritt über meine Hausschwelle macht. Vorbereitet sein noch vor der Hundeschule, die wichtigsten Ratschläge für uns als Mensch. Es klappte, eine Trainerin opferte über 3 Stunden für uns und dies war mit das Wichtigste. So waren wir bestens vorbereitet.

Was soll ich sagen, am 15.11.2014 reisten wir um 4.00 Uhr Früh Richtung Bayern und kehrten am Nachmittag mit „Jonny-Ben vom Zellertal“, gerufen „Bennie“, ins Burgenland zurück. Die Fahrt war problemlos. Bennie jaulte vielleicht wenige Minuten, dann rollte er sich ein im Fußraum des Beifahrersitzes und verschlief eigentlich die Fahrt. Daheim tapste er ins Haus, als würde er hier schon ewig wohnen. Sowohl im Garten als auch im Haus eroberte er sein Revier Tag für Tag mehr. Seine Transportbox neben dem Bett meines Mannes – in der Nacht verschlossen zwecks Melden, wenn er Pfützi muss – akzeptierte er von Anfang an und die Stubenreinheit gelang in angemessener Zeit (mit ein paar Verzweiflungsausrufen unsererseits, aber letztendlich klappte es). Er meldete bis heute erst 1x bei uns im Haus und das war vorige Woche um 00.00 Uhr, da war’s offenbar schon sehr dringend 🙂 Normalerweise sitzt er vor der Tür und guckt nur und wir wissen schon, was los ist.

Die passende Hundeschule wurde uns von der Leiterin der Rettungshunde der Johanniter Unfallhilfe Wien, wo ich ehrenamtlich seit 2002 tätig bin, genannt und es klappte alles hervorragend. Bei Schneestürmen und tiefsten Temperaturen begannen wir nach der Tollwutimpfund den Welpenkurs. 10 Kurs-Samstage, davon 8x ein Harnwegsinfekt für mich trotz wärmster Kleidung. Soll nix Schlimmeres passieren.

Den 1. Platz in der Welpenschule bei Abschlussprüfung gemacht und uns gefreut! Dann die Jundhundeschule. Leider gingen nicht alle aus  dem Welpenkurs auch in den Junghundekurs, aber Bennies Freund „Marco“ blieb ihm erhalten, ein Rottweiler.

Ja, und so war auf einmal ein Hund in unserem Leben. Ich hatte mir ab seinem Einzug 14 Tage frei genommen und einen genauen Plan, was er in dieser Zeit alles lernen sollte und das zog ich durch. Ich habe im Haus Türen hinter mir geschlossen, bin tgl. für längere Zeit abwesend gewesen und meine Nachbarin hat gehört und geguckt, ob Bennie jault oder bellt – nix war, er hat geschlafen 🙂 Ich war mal da, war mal weg, habe ganz normal den Haushalt gemacht, bin mit dem Auto mit ihm gefahren, spazieren gegangen, etc.

Manchmal war ich ein wenig überfordert, wenn ich mit dem kleinen Kerl so ganz alleine war, aber auch das ging in Selbstbewusstsein über, auch dank der Hundeschule später.

Abends, wenn mein Mann und ich um 21.00 Uhr schon hundemüde auf der Couch lagen und uns die Augen zufielen, gab Bennie in den ersten 2 Monaten so richtig Gas. Wie ein Duracell-Haserl schaltete er seine Energie an und tobte durchs Haus, tollte auf uns herum, forderte uns zum Spielen und Raufen auf. Solange bis sich auch das gab und ich den Trick fand, wie ich den Hund in Tiefenschlag streicheln kann.

Bennie ist nun über 2,5 Jahre alt, ist ein – GsD – nicht bellfreudiger Rüde mit Intelligenz (= Sturheit), er meldet nur, wenn vor dem Haus was passiert was ihn stört (der Erzfeind geht draußen vorbei) oder worauf er sich freut (Nachbarin, mein Mann kommt, etc.). Ansonsten bellt er im Haus nur, wenn er uns zum Spielen auffordert und wir nicht reagieren.

Mein Mann hat bis heute das Wichtigste, nämlich den Hund zu ignorieren, nicht gelernt. Und Bennie weiß das. Er weiß genau, dass wenn mein Mann „nein“ sagt, er das nicht durchhält, den Hund nicht ignoriert und trotzdem schlussendlich das macht, was der Hund will. Dafür weiß Bennie genau, dass ich das sehr wohl kann. Nur mehr selten werden alle Spielzeuge auf meinem Bauch abgelegt und ich aufgefordert zum Spielen. Er weiß, er hat kein Glück bei mir, denn ich halte mich daran: der Mensch beginnt das Spiel und der Mensch beendet das Spiel, nicht der Hund. Tja, ist mein Mann selbst schuld. Seitdem wartet Bennie jeden Abend auf das gleiche Ritual: wenn mein Mann gegessen hat und sich waagrecht auf die Couch legt, dann legt sich Bennie ausgestreckt auf meinen Mann drauf und es wird gekuschelt. Nach wenigen Minuten läuft Bennie dann zu seiner Spielkiste, holt ein Spielzeug, läuft damit zu meinem Mann, wartet ab, bis dieser mindestens 5x „nein Bennie“ gesagt hat und dann gehts los mit Spielen 🙂 Und ich sitze daneben und genieße meine Ruhe 🙂

Bennie hat sich zu einem sehr hübschen Rüden entwickelt. Er wird von Anfang an gebarft und dies tut ihm gut, der TA ist ganz begeistert von ihm: schönes Fell, total schöne Zähne ohne Belag oder Karies, die Augenprobleme (rote Augen bei Wind) sind bei Sennenhunden bekannt und benötigen nur eine Therapie, wenn sie entzunden auch noch sind. Das Gewicht ist gut mit 27kg und seine Tagesration von ca. 1kg Futter (RFK/Putenhälse und 1/2kg Mix) sind genau richtig für ihn. Er ist sicherlich ein guter Wachhund, wenn es die Situation erfordert. Gotte sei Dank hütet er unsere Katzen nicht, die haben ihn mittlerweilen schon so erzogen (ui, das ist ne eigene Geschichte: Bennie und die Katzen), auch Kinder im Haus zu Besuch oder Rudelmitglieder werden nicht gehütet, sprich kein Stechen, Bellen, Umherlaufen, Einkreisen, etc. Bennie liebt alle Menschen, die wir lieben. Das Hochspringen ist nach wie vor so ein Thema und er zuckt bei meinem Mann als der Hauptbezugsperson komplett aus, wenn er heimkommt.

In der Hundeschule war hpts. ich mit ihm und zur Erziehung bin auch noch ich zuständig, aber Sport ist Sache meines Mannes. Da ich mir voriges Jahr den Knöchel gebrochen hatte UND mittlerweilen – wie befurchten – bezüglich des Brustkrebses Metastasen habe und eine Chemo bekomme (mit Nebenwirkungen), kann ich seit dem Knöchelbruch nicht mehr mit dem Hund gehen. Da ist einfach eine Mixtur aus Nachheilen des KNöchels und den Nebenwirkungen der Chemo dran schuld, ich bin manchmal schon froh, wenn ich von der Couch aufs Klo komme.

Mein Mann macht fast täglich bzw. mehrmals wöchentlich Sport mit ihm: Radfahren, Scootern, Wandern, Tourenski fahren, Skifahren, Schwimmen steht an oberster Stelle. Nachdem Bennie als Welpe mitten im tiefsten Winter ungeplant in die Leitha gefallen ist (mein Mann machte sich damals schon bereit, dem Hund nachzuspringen, wenn er nicht rauskommt) und aber sofort selbst ans Ufer geklettet ist und getan hat, als wäre nichts geschehen, war seine Liebe zum Wasser erweckt. Mittlerweilen ist es so, dass wir ihm nicht mal irgendein Spieli oder so ins Wasser werfen müssen, wenn der Hund auf einmal weg ist und man nur ein sattes „Platsch“ hört, dann hat er irgendwo Wasser entdeckt und ist schon drinne. Gestern hat er z.B. Baumstämme „gehütet“ und sie alle aus der Leitha ans Ufer „gerettet“. Sein bester Freund Lucky, der meistens mit von der Partie ist und wasserscheu ist, saß wie immer am Ufer und hat gejault.

Was uns aber am meisten das Herz öffnet ist, dass Bennie der verschmusteste Hund der Welt ist. Immer bei seinen Menschen oder beim Rudel (also + Nachbarin und deren Schwester auch ab und zu sowie den Eltern des Magyar vizsla), gestreichelt werden wollen, sich auf einen draufschmeissen, Kopfstoßen, etc. Aber einfach nur Schmusen und das ist für mich das Schönste das es gibt! Ich liebe ihn einfach über alles! Ich liebe auch meine Katzen, aber auf eine ganz andere Art und Weise!

Und ich bin ein Hundemensch auch noch geworden! Ich hätte mir nie gedacht, dass ein Hund so ganz anders ist, nämlich wirklich so ganz anders als Katzen. Er liebt vorbehaltlos, ohne Wenn und Aber, zeigt diese Liebe auch und muss nicht erst lernen, wie man liebt und dies zeigt wie wir Menschen. Mein Herz geht auf, wenn unser beider Rituale durchgezogen werden, denn auch mit mir hat Bennie Rituale, die jedoch so ganz anders sind als bei meinem Mann. Diese Rituale gehören dafür nur uns beiden, die sind wichtig für uns und ich brauch sie fast noch dringender als Bennie!

Und so kam ein Hund in unser Leben…..

Und wir beide fürchten den Tag, an dem er uns verlassen muss. Ganz ehrlich? Da meine Prognose nicht so berauschend ist, hoffe ich direkt, dass ich vor Bennie gehen darf, dann erspar ich mir den fürchterlichen Schmerz des Abschiedes. Egoistisch, ich weiß, aber die Wahrheit!

 

 

Ich möchte bloggen..

Doch was? Worüber möchte ich reden?

Über Gefäßchirurgie? Das ist ein spannendes und nie erschöpfliches Thema. Interessante Erkrankungen, komplizierte Operationen, lebensgefährliche Zustände….

Über Kopfkino? Kopfkino kann schön, aber auch böse sein. Schönes Kopfkino nimmt mit der wachsenden Zahl an Lebensjahren leider ab und weicht der Realität. Böses Kopfkino lernt man zu verdrängen, wegzuschieben, hier is nix mit Realität.

Über Haustiere? Haustiere sind etwas Wunderbares! Sie lehren uns zu lieben, demütig zu sein, geduldig zu werden und Verantwortung zu tragen. Sie geben uns Wärme, Geborgenheit und Liebe zurück und heilen damit seelische Narben.

Worüber möchte ich schreiben? So viel geht mir im Kopf herum…

Soll das Gebloggte nur für mich interessant sein? Wozu blogge ich dann? Oder soll es auch meine Leser neugierig machen.

Wenn ich es weiß, werde ich es bloggen 🙂

Psychotrauma

Als Psychotrauma wird in der Psychologie eine seelische Verletzung bezeichnet.

Was kann das nun sein? Wie definiert sich dieser Begriff in meinem Leben?

Wenige Psychotraumen habe ich erlebt, oft nicht gleich wissend, dass sich das Erlebte nicht verdrängen lässt, nicht wissend, dass sich die Auswirkungen bis heute hinziehen. Nun hab ich beschlossen, in die Offensive zu gehen und auf Konfrontation. Aber dazu gleich.

1.  Erlebnis, dies nie verarbeitet, jetzt möchte ich abschließen damit: Ende 1999 befind ich mich in einem Job, den ich bereits 2 Jahre hatte, und wurde, ohne vorherige Anzeichen, von einem Tag auf den anderen gebeten zu gehen. Ich war sprachlos! Warum? Wieso? Was war passiert? Ich weiß es bis heute nicht. Gefleht, gebettelt habe ich darum, mir den Grund zu nennen, ohne Erfolg. Jetzt werde ich das angehen, ich möchte abschließen können.

2. Erlebnis, dies in Arbeit begriffen: Bereits seit 1991 war ich bis 2008 mit einer damals ehem. Arbeitskollegin und ihrem Ehemann – subjektiv gesehen – gut befreundet. Wir luden uns mindestens 2x jährlich gegenseitg ein, telefonierten oft, ich vertraute ihr und sie war Teil meines Lebens. Bis zum dem Moment, in dem ich ihr 10/2008 von meiner Diagnose erzählte am Telefon. Sie teilte mir mit, dass sie damit nicht umgehen kann, nicht umgehen will und es keinen weiteren Kontakt mehr geben wird. Vor 14 Tagen jetzt hab ich ihr einen gesalzenen Brief geschrieben mit dem Inhalt, ob sie denn überhaupt weiß, was sie psychisch damals wie heute bei mir angerichtet hat, wie sehr diese Ablehnung weh tat und noch weh tut. Und wie sehr ich sie als Freundin gebraucht hätte. Antwort bekam ich keine, damit rechnete ich auch nicht, aber ich bin das, was ich ihr sagen wollte, losgeworden. Basta!

3. Erlebnis, nicht aufarbeitbar: Ein ehem. Freund, mit dem ich eine kurze, heftige, jedoch nicht lange Beziehung hatte, hat sich 2012 offenbar umgebracht. Ich erfuhr zufällig 2014 davon. Bis heute ist es mir über das inet nicht möglich, herauszufinden, warum oder wie. Ich kontaktierte bereits öfter seine Tochter, jedoch ohne Erfolg. Unsere Trennung wurde nie ganz aufgearbeitet und als ich das tun wollte, war es zu spät.

4. Erlebnis, dies sehr verzwickt und kompliziert: Als ich im AKH-Wien beschäftigt war, hat sich eine platonische Freundschaft mit einem Arzt entwickelt, die jahrelang anhielt. Selbst als jeder von uns einen Partner fand, war die Freundschaft eng und bestand weiterhin. Und als ich nach einigen Jahren das AKH verließ bestand die Freundschaft noch immer. Aber dann – ich weiß es ja selbst nicht was genau alles passiert war. Keine Anrufe mehr, keine Zeit, keine Rückrufe. Aber der Oberhammer war, dass er mich auf einer Hochzeit, zu der sowohl er mit Partnerin und ich mit Ehemann geladen waren, für mich ohne Grund und aus dem Nichts heraus anBRÜLLTE, sodass selbst Hotelpersonal herkam und fragte, ob hier alles ok sei und ob man mir helfen könne. Der Grund war fadenscheinig, die Anschuldigungen heftig und sehr verletzend. Daneben seine triumphierende Partnerin. Es war grauenhaft. Mir war immer klar, dass seine dann schon zukünftige Ehefrau sehr manipulativ war und keinen Kontakt von ihm mit einer „Nur-Sekretärin“ (oder DGKS oder anderen „niedrigen“ Berufsgruppen – wir waren ja mehrere Freunde) wünschte, dass allerdings er sich so leicht manipulieren ließ und ihm unsere Freundschaft (und damit sogar die Freundschaft mit meinem Mann und unserer quasi „Clique“ von damals) nichts mehr bedeutete, das tat weh. Das tat sogar sehr weh, aber nicht nur mir, auch anderen Menschen. Jeder von uns hoffte, er würde irgendwann einmal zur Vernunft kommen, aber bis heute besteht absolut kein Kontakt mehr. Wenn man ihn zufällig trifft, ist er sch…freundlich, verspricht das Blaue vom Himmel (ja, wir müssen uns unbedingt mal auf ein Bier treffen), doch das wird nie was. Selbst jetzt in einer für ihn geänderten Lebenssituation hofften wir alle, ganz voran ich, dass er sich wieder seiner früheren Freunde erinnern wird und diese Sozialkontakte wieder suchen wird – aber nein. Kein Bild, kein Ton, spurlos verschwunden. Es hat insgesamt 2 Jahre gedauert bei mir, bis ich über diese Kränkungen hinweg war. Ich möchte nicht sagen, dass er mir jetzt wurscht ist, das stimmt nicht, ich/wir machen uns Sorgen um ihn und fragen uns oft, was aus ihm wird, wie es ihm ergeht, etc. Aber das ist ein Erlebnis, das für mich nie aufgeklärt werden wird. Lediglich das Niederschreiben tut jetzt gut, mehr aber auch nicht. Aufarbeiten kann ich da leider gar nix mehr…..

Und so kreisen mir diese Erlebnisse, ganz besonders in den letzten Monaten (keine Ahnung warum) im Kopf herum, Lösungsmöglichkeiten werden überdacht, Aktionen gestartet, nur, um wieder verworfen zu werden. Aber ich spüre, ich muss diesen Ballast loswerden….

Und ich mache mir Gedanken über etwas, was einmal eine Ärztin zu mir gesagt hat: überdenken Sie Ihr Leben und Ihre negativen Erfahrungen, vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die gut verdrängen, aber denen ihr Körper dann die Rechnung vorlegt. Und ich wusste instinktiv, sie hat zu 100% recht. Danke, mein liebes Leben, das hättest du mir auch anders sagen können!

Nachdem man sich ja – bestätigterweise – im Leben immer 2x sieht, habe ich da ja noch Chancen 🙂

No name vs. VIP/Promi

Was ist ein VIP? Ein VIP ist eine very important person, also eine Person, der aufgrund ihres sozialen Status‘ besondere Privilegien oder Bedeutung beigemessen werden.

Was ist ein Promi? Ein Promi ist jemand, der eine gewisse Bekanntheit in der Gesellschaft hat, warum auch immer.

Was haben diese beiden nun gemeinsam? Man kennt sie aus den Medien, Wirtschaft, Kunst, Kultur, woher auch immer und wer auch immer sie sind. Man spricht über sie, schreibt über sie, freut sich mit ihnen, wenn sie z.B. Nachwuchs bekommen, beneidet sie um ihren Reichtum, leidet mit ihnen, wenn sie von einem Schicksalsschlag getroffen werden und betrauert sie, wenn sie versterben. Nun ja, so oder ein wenig anders dürfte das sein.

Was ist nun aber ein No name? No – kein, name – Name. Kein Name? Wer oder was ist kein Name? Das ist ganz einfach, das sind die restlichen Milliarden von Menschen, die eben kein VIP oder Promi sind.

Das ist die 87-jährige Mindestrentnerin von nebenan, die bereits dement ist und schlecht hört, wer weiß, ob sie in ein Pflegeheim kommen wird oder daheim versterben, bei einem No name ist das doch nicht so wichtig, oder?

Das ist der 16-jährige Drogensüchtige, der mittlerweilen obdachlos ist und nur mehr kurz vor dem goldenen Schuss steht, der irgendwann im Resselpark tot auf einer Toilette gefunden wird, aber egal, ist doch nur ein No name, oder?

Das ist die 43-jährige Arbeitskollegin, die nach außen hin gute Miene zum bösen Spiel ihres Exmannes, welcher Alkoholiker ist und die Familie verprügelt, macht, und innerlich um ihr Leben und das Leben ihrer Kinder fürchtet, sich aber niemandem anvertrauen kann, denn sie kennt niemand. Ist ein No name, kennt keine No names.

Aber Achtung, das ist alles unwichtig, denn in diese nichtssagenden News hinein berichten die Medien doch gerade, dass sich die jugendliche berühmte Opernsängerin XY einer kleinen Operation unterziehen musste. Sie hat Krebs, oder? Sicher hat sie Krebs, die kriegt doch sicher gleich eine Chemo, oder? Was, nein, wirklich, sie hat DAS überlebt? Oh mein Gott, was für eine Heldin, eine Märtyrerin, eine wahrhaft Gesegnete, eine Überlebende! Tagelang geistert dies und vieles andere durch die Medien, das MUSS man doch miterleben, hier muss man doch Wunder beobachten dürfen und Wiederauferstehungen.

Aber wie ist das mit No name?

No name-Mindestrentnerin kam in ein Pflegeheim und verstarb dort friedlich eines natürlichen Todes – mediales Trauern? Natürlich nicht.

No name-Drogensüchtiger kratzte die Kurve und arbeitet heute als Pflegehelfer in einem Krankenhaus – mediale Wiederauferstehung? Natürlich nicht.

No name-Arbeitskollegin mit prügelndem Alkoholiker daheim flüchtete in eine Frauenhaus mit ihren Kinder und wird seitdem gestalkt von ihrem Mann – mediales Mitgefühl? Natürlich nicht.

Warum ich dies übrigens alles anführe? Weil mich als No Name seit Jahren etwas böse aufstößt, kränkt, ärgert, aggressiv macht und hilflos.

Wenn No name eine Erkrankung, Verletzung oder Vergiftung hat, die zu langem Leiden oder gar dem Tode führt, dann kräht kein Hahn am Mist danach. Der Betroffene und sein Umfeld bleiben alleine mit absolut ALLEM. Dem Leiden, der Einsamkeit, den Schmerzen, dem Tod und der Trauer.

Und No name ist sprach- und machtlos über die mediale Aufmerksamkeit, die man den betroffenen VIP’s/Promis zuteile haben lässt, wenn diese das gleiche Schicksal erleiden. Oh wie arm, oh wie krank, oh wie…

Würde jemals in der Zeitung stehen, dass „No name“ verstorben ist? Lange gelitten hat und einsam war? NEIN! Dies degradiert No name-Menschen, macht sie zu Luft, zu einem Niemand, zu unnütz gelebten Leben, zu Nummern, Namen und Patientenakten, die irgendwann in einem Archiv verstauben.

Dies kann und will ich nicht akzeptieren, aber wie ich aus eigener Erfahrung weiß, würgt VIP/Promi mich No name-Menschen beim Versuch, etwas zu ändern, aufzuzeigen, Gleichberechtigung zu schaffen einfach ab.

Deshalb geht No name-ich davon aus, dass dies eh niemand lesen wird, denn ich bin ein No name!

 

Nebenwirkungen

Was ist eine Nebenwirkung? Eine Nebenwirkung ist jeder nicht erwünschte Effekt einer Maßnahme oder eines Arzneimittels; bekannt u. voraussehbar oder aber unerwartet.

Was heißt das für die Betroffenen? Nebenwirkungen sind individuell, einzigartig und jedes Mal anders. Man kann zwar auf sie vertrauen, aber dennoch überraschen sie uns, machen sie uns sprach- und auch machtlos. Auch wenn sie vorhersehbar sein sollten, so kann man sich doch nicht auf sie verlassen.

Was kann ich dagegen tun? Geduld haben, Vertrauen haben in die Hauptwirkung und hoffen, dass gute Begleitmedikamente die Nebenwirkungen der Hauptmedikamente lindern.

Was soll ich nicht tun? Mich dagegen wehren, zornig sein, deprimiert sein, die Hoffnung verlieren, verzweifelt sein.

Auf Wikipedia fand ich ein Zitat, das ich hier hoffentlich wiedergeben darf, ohne rechtliche Probleme zu bekommen, aber das risikiere ich mal ganz kurz:

„Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkung zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat.“Gustav Kuschinsky: deutscher Pharmakologe (1904–1992)

Ein sicher ebenso kluger Chirurg sagte fast genau diese Worte zu mir und ein Zwischencheck bestätigt dieses kluge Zitat und darum nehme ich meine Nebenwirkungen an, sage „ja“ zu ihnen, bewahre Geduld und Stärke und hole mir Mut und Kraft, wo ich sie herbekommen kann.

Stalking

Stalking, was ist das? Stalking lässt sich bei Google oder auf Wikipedia nachlesen. Es werden in den USA z.B. jährlich 3 Mio. Menschen gestalkt, einige überleben es, einige jedoch nicht.

Ich kann sagen, dass ich es überlebt habe. Im Jahr 1990 ging ich eine Beziehung ein, die sich nicht gerade gut entwickelte, ich damals jedoch noch nicht wirklich viel Lebenserfahrung hatte.

Langer Rede, kurzer Sinn: nachdem ich von diesem Mann einmal für 2 ganze Tage in seinem Schlafzimmer eingeschlossen war ohne Essen oder Trinken und mein kleines Geschäft im Bumentopf machen musste, fasste ich den Entschluss zur Flucht. Meine Frage, wie ich meine Abwesenheit meinem Vater und meiner Firma gegenüber rechtfertigen soll, wurde damit beantwortet, dass er sowohl meinen Vater als auch meine Firma angerufen hätte und mich krank gemeldet hätte. Aha!

Als sich nach 2 Tagen die Türe öffnete, verhielt ich mich völlig normal und schaffte Vertrauen zu mir, jedoch meine Flucht war beschlossene Sache. Nach Abwarten von einigen Tagen setze ich meinen Fluchtplan in die Tat um. Ich hatte Spätdienst in der Firma und konnte alles am Vormittag organisieren. Meine Sachen warf ich ins Auto, den Schlüssel deponierte ich in seiner Wohnung, zog die Tür hinter mir zu und dachte mir, das wäre es jetzt.

Doch falsch gewickelt. Ab da ging es richtig los. Zuerst mit hunderten von Anrufen (Handies und Mails gab es damals GsD noch nicht). Eine Adressänderung und Telefonnummernänderung kam für mich nicht in Frage. Dann ging es mit Verfolgung weiter. Er lungerte ganztags vor meiner Firma in seinem Auto und beobachtete mich (Gassenlokal mit Fenstern). Er verfolgte mich heim, stieg jedoch nicht aus dem Auto, sondern fuhr dann weg. Dies steigerte sich, als er anfing, mir nicht nur in seinem Auto zu folgen, sondern an Ampeln oder direkt auf der Straße mein Heck zu touchieren, gerade so, dass nur kleine Schäden entstehen. Ich begann, die Vorfälle der Polizei zu melden, jeden einzelnen. Er war sogar so doof und fuhr hinter mir zur Polizei. Es wurde mit ihm gesprochen, aber es änderte sich nichts.

Dann begannen die Drohbesuche. Er tauchte zu jeder Tages- und Nachtzeit mit seinen bedrohlichen Freunden auf, hämmerte an meine Türe und die Türen der Nachbarn, bedrohte meinen Vater, der in seiner kleinen Wohnung neben meiner wohnte. Ich rief jedes Mal die Polizei, die auch jedes Mal kam.

Mittlerweilen begleiteten mich Freunde und Familie nach Hause, fuhren mit mit mir, als Zeugen, Unterstützung und Hilfe. Jeder Vorfall wurde dokumentiert und gemeldet.

Er zerstach die Reifen der Firmenautos, meines Autos, Zeugen gab es keine. Wieder Meldungen an die Polizei.

Und wie es nun mal so kommt: wenn die Bedrohung auf einmal weniger wird, wird man nachlässiger im Eigenschutz. Er tauchte nur mehr seltener auf, verfolgte mich nur mehr seltener und nachdem ein Zivilfahnder, nachdem er das gefühlte 100. Mal bei mir daheim einen Einsatz hatte, ihm drohte, dass nicht die Frau B. in die Psychiatrie gehört, sondern er und der Zivilfahnder nicht garantieren könne, was er mit ihm machen würde, wenn er noch ein einziges Mal zu mir fahren müsse wegen ihm, hörten auch die persönlichen Besuche bei mir, meinem Vater und meinen Nachbarn auf.

Ich wurde schleißig.

Eines Tages, ich hatte Spätdienst bis 19.00 Uhr, wurde von niemandem abgeholt, hatte die damalige Firmenuniform an (kurzer Rock, Stiefel, Bluse und Blazer) und es schneite wie wild und war saukalt, wollte ich – ohne Mantel, denn der lag im Auto – zu meinem PKW gehen, als ER auf einmal vor mir stand. Dicht vor mir. Mit einem Messer in der Hand. Er sagte zu mir, dass wenn ich jetzt nicht mit ihm in seinem Auto mitkomme, er mir hier und jetzt das Messer in den Bauch rammen wird.

In der Nebenfahrbahn neben uns ging eine Freundin vorbei, die meinen wortlosen Hilfeschrei nicht merkte. Also musste ich mir was einfallen lassen. Ich redete ganz ruhig auf ihn ein. Ich erklärte ihm, dass ich entweder jetzt hier erfrieren werde und mir ins Höschen machen werde, weil ich durch die Kälte schon dringend aufs WC musste, oder er mich, bevor ich natürlich mit ihm mitkommen würde, mir den Besuch des WC’s im Hotel daneben erlauben würde. Er drohte mir, ich solle auf keine blöden Gedanken kommen, nicht die Polizei rufen, etc. Natürlich, versprach ich ihm alles, ist ja klar.

Ich betrat die Lobby des Hotels, deutete dem Portier, er möge sofort mit mir mitkommen, erklärte ihm die Situation und er rief umgehend die Polizei. Ich sperrte mich im WC ein, der Portier bewachte das WC und ich kam erst raus, als die Polizei an der WC-Türe klopfte.

Sie verhafteten ihn. Ich wurde erst so richtig aufgerüttelt, als der junge Polizist, der meine Daten nahm, zu mir sagte, dass ich doch endlich was unternehmen soll. „Haben Sie denn eine Rechtschutzversicherung?“ Ja, klar, hab ich! Oh mein Gott, warum hatte ich daran noch nicht gedacht! „Verklagen Sie ihn, sie haben viele Gründe bereits beinand und alles dokumentiert“. „Fräulein, sie sind noch so jung, wollen Sie sich ihr Leben zerstören lassen durch ihn? Das hört nie auf, das ginge immer so weiter“ Recht hat er!!!!

Es gab damals noch kein Stalkinggesetz, aber der erste von der Rechtschutzversicherung empfohlene Rechtsanwalt sagte sofort, wer würde mich vertreten.

Als der Tag des Gerichtsverfahrens gekommen war, passte ER mich im Gang ab und drohte mir ein letztes Mal. Er schlug mir einen Deal vor. Wenn ich ein nur mit bekanntes Geheimnis seines Lebens vor Gericht nicht erwähnen würde (wäre eine STraftat gewesen mit langer Haft), dann würde er ab sofort nie wieder Kontakt zu mir aufnehmen.

Ich ging auf den Deal ein und hörte nie wieder etwas von ihm. Dennoch: ich drehte mich jahrelang immer um, wenn ich auf der Straße oder mit dem Auto unterwegs war. Ich änderte mein Aussehen immer wieder, meine Arbeitsrouten, die Wege zu Freunden. Nur meine Wohnung nicht, da war ich stur 🙂 Ich sah ihn ein einziges Mal auf einem Abschleppwagen stehen und ein Auto fixieren und dachte, mein Herz bliebe stehen. Er erkannte mich aber nicht, GsD.

Erst als ich im Jahr 2002 seinen damals besten Freund zufällig traf (mir blieb vor Schreck das Herz fast stehen, denn er war auch einer meiner Angreifer und Feinde) und den Mut aufbrachte, zu fragen, was aus IHM geworden war, hörten meine Albträume und paranoide Verfolgungsängste endlich und für immer auf.

Sein Freund erzählte mir, dass ER damals seinen Job, sein Auto, seine Wohnung, einfach alles verloren hätte und wieder bei seinen Eltern unterkam. Ein paar Jahre nach dem Gerichtsverfahren beging er Selbstmord.

Ich war befreit!

Heute sehe ich mir Stalker-Serien an, weil ich es verstehen möchte und mich in die Opfer hineinversetzen kann. Immer wieder finde ich es unendlich traurig, dass sogar in Ländern, in denen es strenge Strafgesetzte gegen Stalking gibt, Menschen sterben, getötet werden durch ihren Stalker. Dennoch wird etwas getan. Die Menschen bekommen Unterstützung. Holt sie euch!

Trimalleolärfraktur

Tja, was ist eine Trimalleolärfraktur… Google kann euch das sagen. Ich sag nur, dass das was ganz Doofes ist, was keiner braucht, aber leider passiert.

Bin ich doch am 25.09.2016 im Garten einen einzigen Schritt rückwärts gegangen, hab mich mit dem Schlapfen im Wasseranschluss, welcher aus der Wiese „wächst“, verfangen. Der linke Fuß blieb, weil blockiert, stehen, der Rest des Körpers kippte nach links. Irgendwo dazwischen hat es ganz leise „Rccchhht“ gemacht und das war’s.

So saß ich im Garten in der Wiese, blickte auf meinen sehr unnatürlich abstehenden Vorderfuß, holte mein Handy aus der Jackentasche und rief 144 an.

Der anreisende Notarzt gab mir recht, als ich meinte, dass das wohl am OP-Tisch enden wird. Der 7. Venflon saß dann gut und dank sehr guter Medikamente wachte ich erst wieder im KH BHB in Eisenstadt auf der Unfallchirurgie auf, wo mir ein Angestellter mitteilte, dass er jetzt meinen Fuß reponieren wird (HILFE) und das Ganze wohl mindestens 12 Wochen dauern wird.

Jaja, man soll niemals den Worten eines KH-Mitarbeiters misstrauen. Der gute Mann hatte recht…

Jedenfalls war nach 6 Wochen Gips ohne Belastung, unzähligen km mit dem Rollstuhl, Gehen mit der Gehbank und intensiver Physiotherapie alles wieder gut. Heute war ich zur letzten Kontrolle im KH und die Ärzte sind recht zufrieden.

Die Achillessehne wird sich mit Dehnungsübungen auch noch aktivieren lassen, dann hätten wir das erledigt.

Aber ehrlich – wer braucht schon eine Trimalleolärfraktur in seinem Leben??

Ein Telefonat der besonderen Art

So manches Mal erleben wir Dinge, die einen staunen lassen oder führen Telefonate, die absolut einzigartig sind. Mittlerweilen überlege ich sogar, in den Comic-Sektor zu wechseln, habe ich doch genügend Erfahrung und an Ausdrucksstärke mangelt es mir ja auch nicht 🙂

Daher muss ich unbedingt ein ganze besonderes Telefonat der besonderen Art wiedergeben… Mal lausche, staune und – lache bitte 🙂

Ich neige zu Wechseln zwischen Groß- und Kleinschreibung und nachdem ich euch hier das Telefonat wiedergebe, das ich aus meinem Post in Facebook rüberkopiere (schreibfaul wie ich manchmal bin), findet ihr die Story in kleinschrift.

aaaalso, die anfrage eines bekannten war, wohin mit dem wauzi in wien, wenn es – fast überall – verboten ist, ihn mitzunehmen. gleich mal vorweg als gebürtige wienerin und bennie-mama: wien ist ne frechheit, was hunde betrifft 😦 so, das wär mal gesagt.
ich habe dem bekannten zugesagt, mich schlau zu machen und habe gerade nicht nur im inet gesurft, sondern heute nachmittag auch mit einer – angeblich allwissenden – hotline des magistrats der stadt wien telefoniert.
nach meiner frage am telefon, ob die dame auch für fragen rund um den hund in wien zuständig wäre und der bejahung, wollte ich wissen, was man mit dem hund tun soll, wenn es fast überall (schönbrunn, belvedere, rathaus, stadtparks, etc.) verboten ist, ihn mitzunehmen.
antwort: wieso wollen sie das wissen?
ich: na, weil ein bekannter in wien urlaub mit hund machen möchte und was besichtigen, aber da darf ja der hund nicht mit
antwort: wo darf der hund nicht mit?
ich: z.b. in den tierpark oder den schlosspark schönbrunn, die stadtparks, etc.
antwort: ah dort darf der hund nicht hin?
ich: nein, das ist überall verboten
antwort: und woher wissen sie das?
ich: von diversen homepages und ratgebern
antwort: und da steht nix drin, wo man den hund hingeben kann?
ich: nein, denn sonst würde ich sie ja nicht anrufen
antwort: aber ich weiß das doch nicht
ich: deswegen hab ich sie ja gefragt, ob sie dafür zuständig sind
antwort: naja, zuständig schon, aber das hat mich noch nie wer gefragt. warum lässt er den hund denn nicht zuhause?
ich: gell, fräulein, sie haben keinen hund, oder?
antwort: nein, wozu auch? der darf ja eh nirgends hin in wien

……. kein kommentar…….