Lang ist’s her…

Lang ist’s her, dass ich gebloggt habe, doch nicht immer ist es so leicht, etwas von sich zu geben, vor allem ist es schwer, das Innerste nach außen zu tragen. Doch ab und zu ist es nötig.

Seit nun 1 Jahr nehme ich Afinitor und Aromasin, immer mit Regressionsbefunden, doch ich fürchte, diese Zeit geht zu Ende. Seit Wochen habe ich beim Husten im rechten Brustkorb unerträglich starke Schmerzen. Ich pochte auf ein verfrüht eingeschobenes CT, doch da der erst kurz vorher gemachte Befund so positiv war, „können wir ruhig bis Mai warten, was soll denn da in der kurzen Zeit gewachsen sein“. Hm, es bin ja „nur“ ich, die seitdem mit dem Kopfkino kämpft…. Naja, ich kann ja deflamat nehmen, das bannt die Schmerzen. So einfach ist das meiner Meinung nach nicht, aber ich habe gelernt, mich in Geduld zu üben und arbeiten lenkt ab.

GsD bin ich – subjektiv – noch weit von den ersten schicksalsträchtigen Symptomen noch verschont: Dyspnoe, reduzierter AZ, Gewichtsabnahme, therapierefraktärer Husten, Schwäche, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, etc. Dann würde ich Panik schieben, denn das hieße eventuell Pleuraerguss, usw. Ja, auch ich höre Flöhe husten, jeder Hustenreiz wird genauest analysiert von mir – kommt da was nach oder habe ich nur 1x gehustet? Kriege ich eh genug Luft beim normalen Gehen? Bin ich müder als sonst?

Doch was mir Trost gibt und Kraft ist, dass ich beim besten Onkologen bin, den ich mir nur wünschen kann und im besten KH. Ich werde liebevollst umsorgt, man nimmt sich meiner tw. schon paranoiaähnlichen Gedanken immer an und tut auch was. Und das alles ist auch sehr wichtig, denn dies schafft Vertrauen und ohne Vertrauen brauch ich gar ned mehr weitermachen.

Was mich freut ist, dass ich in letzter Zeit immer öfter kontaktiert werde mit privaten Fragen von Betroffenen, Angehörigen, Hinterbliebenen. Auch hat sich herumgesprochen, dass ich in dem KH, in dem ich arbeite, vor vielen Jahren ein TRAUERCAFE gegründet habe, das es nach wie vor gibt und dem wir nun einen neuen Rundum-Chic verpassen mit neuem Namen, anderen Ansprechpersonen und hoffentlich in Folge noch mehr Menschen, denen wir damit geben können, was sie sich von uns erwarten und erhoffen. Nur keine Angst, ich bin nach wie vor die ehrenamtliche Ansprechpartnerin am Telefon für alle Fragen 🙂

Vielleicht schaffe ich es ja auch, eine Selbsthilfegruppe im KH zu implementieren, Ideen genug habe ich dazu, aber damit warte ich noch ein wenig ab.

Jaja, soooviele Träume, Vorhaben, Ideen und Pläne habe ich …. Und jetzt bitte nicht denken: ja kann sie das denn alles noch umsetzen? Sie weiß doch nicht, wann’s zu Ende geht? Ja, ihr habt recht, es kann, so wie bei meiner besten und liebsten Freundin, innerhalb von nicht mal 3 Wochen zu Ende sein. Und? Ja, was „und“… ich weiß es auch nicht.

Aber egal…. was ich wirklich möchte, das weiß ich oft selbst nicht!

So, ihr lieben Leser! Für heute ist’s genug!

Eure Christa

 

Das könnte ich sein!

Es ist noch dunkel, als ich mich heute Früh auf den Weg zu meiner Knochendichtemessung mache. -6 Grad hat es. Der Weg führt mich über die Bundesstraße, hinein in eine größere Stadt, wo man bereits überall Kinder auf den Straßen sieht auf dem Weg in die Schule. Kurz vor einer Ampel gleitet mein Blick hinaus beim Beifahrerfenster, etwas hat mich offenbar irritiert. Es ist ein Kreuz aus – ich glaube – Holz, umgeben von einem Meer aus Lichtern, einigen Stofftieren und und vielen Blumen. Wie der Schlag trifft es mich, war es hier, wo…? Ja, es muss hier gewesen sein, wo die Mutter sie fand, leblos und tot. Ein Schauer überläuft mich, Mitleid und Tränen steigen hoch, ein Leben, noch so jung, war plötzlich vorbei. Den Blick nach links wendend sehe ich Häuser, ist es hier, wo….? Ja, hier muss es sein, wo die Mutter lebt. Grauenhaft, unsagbar traurig.

Nach meiner Knochendichtemessung, kurz bevor ich das Institut verlasse, rast vor dem Fenster ein Rettungswagen mit Blaulicht und Folgetonhorn vorbei. Mich als Notfallsani beeindruckt dies nicht. Ich verlasse das Haus und schwenke nach links zu meinem Auto. Dann jedoch stutze ich. Die Menschen auf der Straße bleiben stehen, wenden alle den Blick nach rechts. Also, gemäß dem Massenzwang, tue ich das auch. Ich sehe Polizei, Rettung, laufende SanitäterInnen und die Feuerwehr kommt auch schon. Ich überlege nur, wie ich mit dem Auto dann an denen vorbeikommen soll, denn sie stehen am äußeren Ende einer Kreuzung. Auto starten, reversieren, Ampel auf Rot. Endlich kann ich fahren. Auch hier schwenkt mein Blick nach rechts, die ehemalige Neugier in mir kann nicht anders. Ich sehe nicht was passiert war, die Autos und die vielen Menschen versperren mir die Sicht. Plötzlich schießt mir ein „das könnte ich sein!“.

Gerade lese ich ein Buch über Todes- und Lebensangst, dann die zwei Erlebnisse dazu und das Wissen, dass erst vor wenigen Tagen eine ganze junge Frau, 24 Jahre alt, nebst ihrer Krebserkrankung auch von Metastasen erfahren hat, erschrecken mich. Ja, ich bin endlich, ja, es wird nur mehr wenige Jahre dauern, bis auch ich Geschichte bin. Doch wer ist jetzt im Vorteil? Der- oder diejenige, der/dem das Einsatzaufgebot gilt bzw. das junge Mädchen, das sein Leben so rasch verlor durch die Hand eines anderen oder ich? Ich kann es schwer formulieren, denn ich kenne die Antwort nicht.

Ich weiß nur eines – das könnte ich sein!

An alle Engel da draußen…

Der Mensch glaubt, aber woran? Jedenfalls ich glaube an eine höhere Macht, an jemanden, der im Leben die Fäden zieht, sodass ich dort gelandet bin, wo ich hätte landen sollen. Und ich glaube, dass dies auch bei anderen Menschen so ist. Wieso sonst hätten wir soviele Engel? Ich glaube, dass jeder Mensch eine Bestimmung hat und wenn diese erfüllt ist, muss er gehen, egal wie jung, egal wie gesund oder krank. Und niemand bekommt mehr aufgebürdet, als er tragen kann.

Machen mich all die zwei- und vierbeinigen Engel traurig? Ja, denn sie hinterlassen Lücken, die nicht zu füllen sind. Wobei meine Einstellung ist, dass diejenigen, die Engel sind, es am besten haben, denn sie haben es hinter sich, lediglich die Hinterbliebenen leiden  und trauern.

An alle Engel da draußen, ich verstehe nicht, warum ihr so früh gehen musstet, aber ich akzeptiere es und nehme es an. Nein, ich glaube nicht an Engel, ich weiß, dass mit dem Tod alles vorüber ist, aber dennoch tut der Gedanke, dass ihr alle in einer besseren Welt seid, gut. Wünscht man sich das nicht für sich selbst auch? Dass das Leiden, welches irgendwann unweigerlich beginnt, ein Ende haben möge und man erlöst ist von all den Sorgen, Schmerzen und dem Warten auf das Ende?

Nein, ich bin heute nicht depressiver als sonst, lediglich ein wenig melancholisch und nachdenklich. Oft frage ich mich, was denn meine Bestimmung, meine Aufgabe sei und wann ich sie erfüllt habe, aber dies weiß niemand. Weh tut es nur, wenn Menschen, die man ins Herz geschlossen hat, gehen müssen. Wäre es da nicht am besten, keine Freundschaften zu schließen, denn dann muss man nicht trauern? Nein, denn Freundschaften, vor allem unter Gleichgesinnten, sind wichtig, sehr wichtig sogar. Wichtig für die Psyche, die Lebensfreude und die Hoffnung.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ab und zu frage ich mich, wozu es die Spezies Mensch überhaupt gibt. Warum bzw. wofür existieren wir? Welche Aufgaben haben wir, warum sind wir so wie wir sind? Aber das geht ins Unendliche, ganze Bücher könnte man nur mit solchen Gedanken schreiben.

Und nachdem ich heute, an diesem schönen Sonntag, ebenso wenig wie an allen anderen Tagen meines Lebens, keine Antwort finden werde, mache ich das, was ich immer mache. Mein Leben, so klein und überschaubar es auch ist, weiterleben.